Mittwoch, 4. Januar 2012

Auf ein Neues !

Zuerst einmal wünsche ich allen Freunden und Lesern Frohe Weihnachten….. ähm… gehabt zu haben….. und ein wunderschönes, glückliches, gesundes und lustiges Jahr 2012 !

Wir hatten hier etwas eingeschränkte Feiertagsfreuden, der Göga arbeitete am Heiligen Abend nach der Bescherung nachts durch, schlief am ersten Feiertag demnach erst einmal, und am zweiten Feiertag war ab dem Mittagessen Schwiegermutterbesuch angesagt, abends ging der Göga dann wieder arbeiten.

Silverster und Neujahr hatte er ebenfalls Dienst, aber morgen, am Freitag und am Sonntag ist er daheim.

Das klingt dramatischer als es ist, in seinem Beruf sind die Arbeitszeiten einfach so, meistens macht es uns nicht sehr viel aus. Okay, an Silvester war ich etwas gefrustet, aber das ging dann auch wieder vorbei.

Wie war nun unser Jahr 2011 ? War es so schlimm, wie es oft schien ?

Nein, es war ein ausgesprochen verrücktes Jahr, mit schrecklich tiefen Tälern, aber auch einigen sehr erfreulichen Ereignissen.  Beides hat sehr viel Kraft gekostet, so dass wir uns für 2012 vor allem eins wünschen: Konsolidierung und Langeweile J

Wir sind 2011 relativ überraschend umgezogen. Überraschend deshalb, weil die zeitliche und auch finanzielle Kombination, nämlich ein Hausverkauf eines noch nicht komplett sanierten Altbaus in einem Sanierungsgebiet mit fiesem Kleingedruckten (wir haben selbstverständlich den Käufern alles schriftlich gegeben !) mit einem Verkaufserlös deutlich über der nüchtern betrachteten Wertermittlung und der Entdeckung unseres jetzigen, neuwertigen, modernen und ausreichend großen Hauses zu einem für uns erschwinglichen Preis, ungefähr einem Lottogewinn gleichkam. Unsere alten Nachbarn haben uns beim Abschied alle, wirklich alle, gesagt, wenn sie könnten, würden auch sie sofort verkaufen. Die neuen Nachbarn haben uns sehr freundlich in der Straße begrüßt und jetzt an den Feier- und Brückentagen bekräftigt, dass sie froh sind, mit uns nette Nachbarn bekommen zu haben.

Kurz: Wir freuen uns nach wie vor täglich über den Luxus, den wir hier im Haus haben (unter anderem: zwei Badezimmer, drei Toiletten und ein großer, beheizbarer Hobbyraum für die Tischtennisplatte, den Kicker und den Familien-PC, und ein Schlafzimmer im Dachstudio – hach !), und haben diesen Umzug  noch keine Sekunde bereut.

Große Sorgen machte uns 2011 die Beschulung unseres Jüngsten. Die monatlichen Kosten für die Privatschule liegen im vierstelligen Bereich, aufgrund attestierter seelischer Behinderung wäre rein rechtlich das Jugendamt als Kostenträger verpflichtet, diese Kosten zu übernehmen. Das nutzt aber nichts, wenn das Amt mit allen möglichen Tricks eine einklagbare Entscheidung verzögert. Wir müssen während dieser ganzen Zeit zahlen, zahlen, zahlen. Dass das auf Dauer nicht möglich ist für eine Familie mit drei Kindern und keinem geerbten Haus oder irgendwelchen Zuwendungen von Dritten, dürfte naheliegen.

Leider mussten wir in diesen schweren Zeiten auch familiär einiges erkennen. Das tat sehr weh, tut es immer noch, aber man kann nun einmal keine engagierten Großeltern backen.

Gegen Ende des Jahres kam Bewegung in die Sache. Wir mussten insgesamt drei persönliche Termine mit mehreren Mitarbeitern des Amts durchstehen, inklusive einem Hausbesuch, in dem geprüft wurde, ob Juniors Probleme nicht doch von einer nicht artgerechten Haltung kommen. Das alles war demütigend, anstrengend und kostete sehr viele schlaflose Nächte. Wenn man dann aufgrund ehrenamtlicher Arbeit auch noch weiß, dass für etliche Mitschüler der volle Beitrag bezahlt wird, ganz ohne Hausbesuch, dann muss man sich sehr bemühen, nicht doch einmal in einem Gespräch die Contenance zu verlieren.

Aber es kam ganz anders. Das Amt stellte fest, dass wir sehr engagierte und liebevolle Eltern sind, die ihren Kindern eine wunderschöne und emotional glückliche Kindheit bieten (und ja, dieses Lob tat einfach gut !), und dass dann also die drei (!) Experten, die schon im Vorfeld unabhängig voneinander eine Diagnose gestellt hatten, sich nicht irren. Und weil wir künftig vertrauensvoll miteinander umgehen sollen, ganz ohne Anwalt, bekamen wir als Weihnachtsgeschenk endlich den seit September 2010 (!) ersehnten Bescheid – Juniors Diagnose wird anerkannt, die Schulkosten zumindest bezuschusst, und wir bekamen einen Teil unserer bisherigen Kosten, ungefähr 50 % unseres Aufwands, bereits erstattet. Ab diesem Jahr bekommen wir eine monatliche Zahlung, die uns deutlich hilft. Die Summe gilt als vorläufig, auch hier handelt es sich leider um Einzelfallentscheidungen.  Es bleiben noch viele Hunderter pro Monat für uns, aber es ist Land in Sicht, wir sind unendlich erleichtert.

Die Zusage ist für ein Jahr befristet, aber immerhin ist nun ein Jahr Ruhe – wir haben jetzt erst  richtig realisiert, wie drückend diese Sorge wirklich war. Einige Tage lang war ich trotz großer Freude kaum noch in der Lage, etwas zu arbeiten, eine totale Erschöpfung drückte mich nieder.

Beruflich war das Jahr komplett irre. Natürlich war geplant, dass ich weitere Kunden annehmen würde, um die Kosten für die Schule reinzuholen. Aber dann kam durch verbrecherisches Verhalten eines von mir bisher sehr geschätzten Kollegen eine regelrechte Lawine auf mich zu. Ich habe im Jahr 2011 gearbeitet wie verrückt, und dazu kam noch die emotionale Seite – bei jedem neuen Objekt von diesem Kollegen sah ich tief in menschliche Abgründe. Die Gespräche mit dem sehr netten Ermittler von der Kripo taten ein übriges – meine kleine, heile, naive Welt ist genau das – naiv ohne Ende.

Und weil das alles nicht reicht, ließ ich mich bei der vierten Anfrage des Jahres, ob ich nicht ein Ehrenamt annehmen würde, weil ich vom Beruf her und von meinen Erfahrungen und überhaupt und so weiter einfach perfekt für diese Sache bin (Ehrenamtlichen muss man immer brav Honig um’s Maul schmieren, damit sie sich das antun *g*), doch noch überreden. Das war leider eine sehr schlechte Entscheidung, aber ich bin zum Glück nicht ganz alleine damit.


Wir sehen also trotz allem sehr entspannt und optimistisch in die Zukunft.

Und das wünsche ich euch allen auch: Optimismus und Kraft. Alles wird gut !








Kommentare:

Coratriton hat gesagt…

Liebe Sylvia, dann wünsche ich dir wie bestellt die totale Langeweile :-). - Und wie schön, dass du jetzt amtlich hast, dass ihr "sehr engagierte und liebevolle Eltern sind, die ihren Kindern eine wunderschöne und emotional glückliche Kindheit bieten" - warum bin ich nicht überrascht! Alles Liebe und Gute für Euch. Cosima

Doro hat gesagt…

Liebe Sylvia,

auch euch ein gutes und gesundes Jahr 2012. Möge es für euch weitergehen, wie es geendet hat ... :-)

Ein dickes FREU zu den Entwicklungen der letzten Wochen, in Bezug auf die leidige Kohle!

Liebe Grüße,
Doro

Sevenjobs hat gesagt…

Alles Gute für 2012. Ich habe noch nie irgendwo gelesen, dass sich jemand LANGEWEILE wünscht: das finde ich toll und sehr charmant!!!
Ich wünsche Euch die notwendige Portion Glück für alle Eure Vorhaben, Stärke, Gesundheit und Zusammenhalt!! Für 2012 wünsche ich mir, dass wir uns mal persönlich kennen lernen. Wie wärs?

Sylvia hat gesagt…

Danke euch allen !!!

@ Petra: Ja, das wäre schön !