Nach vielen Jahren mit offiziellen Ehrenämtern, die ich immer auch politisch gestaltet habe, hatte ich nun ein paar Jahre lang kein Amt. Ich war und bin nur noch im Hintergrund die Feuerwehr, wenn jemand einen Ansprechpartner braucht, oder übernehme einzelne Untertätigkeiten, immer zeitlich begrenzt.
Nun sind aber meine Kinder inzwischen größer, und ich kann dadurch auch in Gögas Nachtschichtwochen abends auf Sitzungen gehen, wenn auch nicht gerade bis Mitternacht. Okay, es klappt noch nicht perfekt, Junior verbringt die Zeit dann vor dem Fernseher, und es ist sehr anstrengend, nach einer Sitzung sofort wieder auf Chaotenmutter umschalten und Hibbeljunior ins Bett bringen zu müssen, aber ab und zu wage ich es.
Und so bin ich jetzt in einem
Bürgerausschuss gelandet, zwischen lauter „wichtigen“ Ureinwohnern und – das wusste ich vorher nicht – meinen „Freunden“ von der hiesigen Katastrophenschule. Soviel zu dem von mir sehr geschätzten Sprichwort „Man sieht sich im Leben immer zweimal“ ….
Geleitet werden die Sitzungen von einem Vertreter der Stadt und einem Mitarbeiter einer Stadtsanierungsfirma. Der ist eine Nummer für sich:
jung, dynamisch, akademisch, flott… so eine Art Guttenberg für Arme *räusper*. Daher hätte ich es wissen müssen, dass ich plötzlich im
Powerpointland aufwachen würde. Statt einer Sitzung wie „früher“ gab es ein Meeting auf moderne Art. Der
Beamer, bunte
Kärtchen und ein
Flipchart waren elementar wichtig, jeder musste mehrmals mit seinen auf Karton geschriebenen Gedanken nach vorne kommen und seine Ideen präsentieren.
Selbst dieser
Schulleiter war gegen Ende der Sitzung, als wir auch noch mit bunten
Klebepunkten arbeiten sollten, etwas
überfordert.
Meine
Kinder müssen solcherlei
neumodischen Kram schon seit vielen Jahren in der Schule ertragen, Präsentationen sind eine heilige Kuh geworden. Ich verstehe sehr gut, dass sie das hassen, denn auch ich bin schüchtern. Und deshalb habe ich gestern abend ähnlich gelitten wie meine armen Kinder.
Im direkten Vergleich schwöre ich darauf, dass herkömmliche Sitzungen
lebendiger und
informativer sind als dieses künstliche Präsentationsgedöns. Leider lernen die jungen Leute das heute nur noch so, Menschen U30 schwören auf bunte Kärtchen, und wir Tagungsdinos stehen plötzlich da wie nostalgische Alte, die sich dem Fortschritt widersetzen.