Mittwoch, 6. Januar 2010

Abgehauen




Es war der dritte (!) Tag des Jahres. Saukalt und unfreundlich da draußen.

Duke wollte unbedingt in den Garten, musste wohl mal eben pinkeln, dabei „verirrte“ er sich wie so oft in den für ihn mit einem Zaun abgesperrten Bereich, den Gemüsegarten. Wir haben nämlich einen kleinen Teil des Gartens für den Ackerbau umgewidmet, und da ich keine angepinkelten Tomaten mag, kam ein Zaun vor diese Ecke.

ICH war von Anfang an skeptisch, ob der Zaun reichen würde, denn ICH kenne diesen Fellflummi zu gut.

Göga aber sagte seinen Standardsatz: „Dieser Zaun tut’s, da passt er nicht durch.“

Nun ja, Duke hüpft bei Bedarf, also wenn er uns ärgern möchte, elegant über die Absperrung, und wenn er es eilig hat, schlüpft er zwischen den Stangen durch. Ja, es sieht quasi unmöglich aus, aber der Hund ist eigentlich ziemlich klein, ungefähr 50 % sind nur Fell. Selbiges hängt dann immer teilweise an der Stange, an der er sich durchgequetscht hat.

Dann sitzt er im Gemüsebeet und grinst frech. Einen Joker haben wir aber: er findet den Rückweg nicht mehr, hüpft dann suchend am Zaun herum und jammert. Dann haben WIR aber viel Zeit, bis wir ihm das Tor öffnen, Rache muss sein.

Duke also rannte in den Garten und plötzlich wie der Blitz ins Gemüsebeet. Dort rannte er ungewöhnlich verwirrt am Zaun zu unseren Partysachsen hin und her, buddelte, war sehr nervös. Ich ging also ebenfalls raus in den Garten, sah im Gemüsebeet nichts auffälliges, drehte mich um und entdeckte mit Entsetzen, dass das Gehege der Kaninchen sperrangelweit offen stand ! Und die Kaninchen waren weg !

„Göga, Fips und Funny wurden geklaut“, rief ich geschockt. Göga war gerade im Keller und bastelte mit Junior an einer Lampe herum. „Nein, ich habe sie rausgelassen“, antwortete er gemütlich.

Dazu muss man wissen, dass unser Minigarten seit Dukes Ankunft quasi bodentief abgesichert ist, denn Duke war als Welpe eher noch kleiner als unsere Maxikarnickel. Daher bekommen die Langohren ab und zu Freilauf, hüpfen dann glücklich durch den ganzen Garten (und durch das Gemüsebeet, wenn man nicht aufpasst). Allerdings werden sie dabei beaufsichtigt, und es ist wichtig, dass die Hunde nicht draußen sind. Duke mag als Spitz keinen Jagdtrieb haben, aber ich möchte das nicht testen, und Bruno als ehemaliger Straßenhund weiß sehr genau, wozu man diese Kaninchen brauchen könnte, der wäre nicht mehr zu halten.

Blöd nur, dass Göga vergessen hatte, mir von dem Karnickelfreilauf zu erzählen. Ich vermute daher, dass die Karnickel beim Anblick der Hunde die Flucht ergriffen hatten. Der Zaun zu unseren Partynachbarn ist alt und, wie ich finde, nicht so ganz überzeugend dicht. Göga aber bestand darauf, dass die Kaninchen da niemals durchpassen würden.

Nur – sie waren weg, und eine zwei Meter hohe Abgrenzung können selbst diese Hoppels nicht überwinden.

Familie Dukeim Netz fing also an zu suchen, schaute in der Umgebung in jedes Gebüsch und unter jedes Auto. Fragt lieber nicht, wie wütend ich war, denn der Satz „Da passen sie nicht durch!“ ist hier ein geflügeltes Wort, ich habe aufgehört zu zählen, wie oft wir schon Kaninchen suchen mussten, nur weil Göga nicht auf mich gehört hatte.

Göga ging in den Garten der Partynachbarn, und ich ging davon aus, dass er vorher geklingelt hatte, denn die Gärten liegen alle hinter den Häusern, sind vorne mit Toren gesichert. Er fand Fips dort, man sah auch seine Spuren im Schnee, es war eindeutig, an welcher Stelle er NICHT durchgepasst hatte. Funny aber fehlte, obwohl Göga, Junior und dann auch ich den kleinen Garten der Nachbarn durchsuchten.

Zum Glück sind die Kaninchen an die Temperaturen gewöhnt, wir suchten aber dennoch weiter. Göga ging irgendwann wieder zu den Nachbarn, die angeblich nicht da waren – und wurden vom Kaffeebesuch „gestellt“. Hätte er vielleicht doch mal klingeln sollen, dieser Einbrecher. Die Oma der Nachbarn suchte dann mit uns den Garten ab, fand aber auch kein schwarzes Tier mit langen Ohren.

Ungefähr eine Stunde später beobachtete ich, dass aus der Richtung der Nachbarn, deren Zaun aaaabsolut dicht ist laut Göga, ein Kaninchen zu uns herüberkam. Nicht über die Hecke, sondern unter dem Zaun durch.

Es machte noch ein bisschen Theater, aber dann ging es fast freiwillig zurück ins Kaninchengehege.

Aber unser Garten ist dicht, da passt kein Kaninchen durch. Schuld bin sowieso ich, denn ICH habe ja die Hunde in den Garten gelassen, nur deshalb sind die Kaninchen geflohen.

Man muss einen Knall haben, wenn man sich Viecher hält, obwohl es doch inzwischen so naturgetreue Nachbildungen mit Knopf im Ohr gibt, die weder abhauen noch sonst irgendwelche Arbeit machen !

Kommentare:

Mella hat gesagt…

Hihi, der Alltag äh das Chaos hat Euch also auch dieses Jahr wieder fest im Griff- öööhm andersrum. Ihr habt das Chaos im Griff.

Natürlich ist der Zaun dicht - Dein Göga passt ja auch nicht durch :-) Göga-ausbruchsicher

Gruß Mella,
wir haben auch den Knall - Hund und Katze

Frau Mahlzahn hat gesagt…

Na ja, aber jetzt wo Ihr schon so ein paar Viecher habt und eh nicht mehr zu retten seid... können wir Euch nicht auch unsere Lisa schicken, *flööööt*?

Ich weiß auch nicht, wie ich als fröhlicher Haustierhasser zu so vielen Haustieren gekommen bin...

Sind die Kaninchen bei Euch übrigens das ganze Jahr draußen und wie macht Ihr das bei Unter Null Temperaturen? Lisa hab' ich tags draußen und nachts drinnen, aber habe ich jetzt mal'ne Nacht draußen vergessen, sie hat es überlebt, aber noch kälter hätte es nicht sein dürfen.

So long,
Corinna

Sylvia hat gesagt…

@ Mella: *kicher*, Göga-ausbruchsicher, das ist gut !

Ich bin mir nicht ganz sicher, wer wen im Griff hat. Das Chaos hat zumindest zeitweise Oberhand *seufz*.

@ Corinna: Ist Lisa nicht ein nicht sozialisierbarer Kampfkarnickel *g* ? Du meinst, auf einen Irren mehr oder weniger kommt es bei uns nicht an ???? Du weißt aber, dass meine tieresammelnden Töchter hier mitlesen *strengguckt* ?

Unsere Kaninchen sind ganzjährig draußen. Sie haben einen Stall, der in einem Gehege steht, die Tür des Stalles ist immer offen. Das Gehege liegt geschützt (2 Seiten sind Mauern, also ganz zu), ist überdacht (wegen der Fressfeinde), und bei diesen Temperaturen klebt Göga Styropor an die Stallwände (also ein Wärmedämmsystem für Langohren *g*), die Tiere bekommen sehr viel Heu (oder Stroh ? keine Ahnung...), in dem verbuddeln sie sich, wenn es ihnen arg kalt ist.

Sie bekommen immer einen dicken Winterpelz und scheinen nicht zu frieren, denn sie gehen nur ganz selten in den Stall.

Wenn aber Lisa abends in der Wohnung ist, ist die Temperaturschwankung zu groß, sie kann als halb-halb Freigänger eher kein richtiges Winterfell entwickeln ? Als Fridolin (der öfters kränkelte) noch lebte, holten wir die Karnickel in den ganz kalten Wochen in den Keller, der Tierarzt sagte, das sei besser als die Wohnung wegen der Schwankungen.

Wenn du aber ab dem Frühjahr Lisa ständig draußen hältst, schafft sie auch den Winter. Sagen die Experten jedenfalls, ich bin keiner, ich bin nur Endverbraucher *g*.

Frau Mahlzahn hat gesagt…

****Du meinst, auf einen Irren mehr oder weniger kommt es bei uns nicht an ????****

Ööööh, so wollte ich das nicht ausgedrückt haben.... *flöööt*.

Na ja.

Lisas Leben ist soundso nicht ideal, mir wär's lieber, wir hätten noch ein Zweitkarnickel, dann hätte sie da draußen wenigstens jemanden zum Kuscheln, wenn ihr kalt wird... Wir holen sie bei Minustemperaturen über Nacht rein, denn ihr Stall steht auf der Terrasse, da hat sie auch keine Möglichkeit, sich irgendwo so richtig einzubuddeln. Außerdem ist sie sonst die ganze Zeit alleine, im Winter hält sich ja kein Mensch lange auf der Terrasse auf. Abends und morgens scharwenzeln so wenigstens die Kinder um sie herum. (Wobei ich mir aber nicht ganz sicher bin, ob sie dann nicht doch froh und dankbar ist, wenn sie wieder ihre Ruhe hat, *ggg*).

So long,
Corinna