Mittwoch, 14. März 2012

Unkraut vergeht nicht

Es gibt uns noch, und es wird hier weitergehen.

Die Pause in den letzten Wochen war nötig. Schlimme Dinge haben sich ereignet, die Schulleiterin, die Mitteltochter schon seit über zwei Jahren abschieben möchte (zu sensibel, zu oft krank, zu still – das wollen wir nicht….), hat mit einer unglaublichen Gnadenlosigkeit zugeschlagen. Zum Glück habe ich dank jahrelanger ehrenamtlicher Arbeit ein wunderbares Netzwerk, das dann sofort weitere Kontakte hergestellt hat, der weiteste Weg führte (nur telefonisch) nach Berlin.

Das eine ist die juristische Seite, da sind wir auch noch dran. Aber das nutzt alles nichts, wenn ein Kind zusammenklappt, weil Dinge so stattfinden wie bei uns. Selbst die Behörden hier vor Ort sind entsetzt, niemand kann es nachvollziehen.

Mitteltochter war gezwungen, sehr schnell, ohne Frist und ohne sinnvolle Verabschiedung die Schule zu wechseln, und weil es hier nirgendwo einen vernünftigen Platz gab, besucht sie jetzt eine Privatschule. NICHT die, die eigentlich am besten passen würde, denn selbst dort war kein Platz mehr frei. Arztbesuche, Amtsgespräche, Telefonate, und jetzt die Fahrerei – die neue Schule ist 28 km entfernt, die Zugverbindung mäßig, Tochter schafft das noch nicht, also fahre ich zweimal täglich in den Nachbarkreis– kosten unendlich Zeit und Kraft (und Benzin…). An vielen Tagen war ich nervlich nicht mehr in der Lage, sinnvoll zu arbeiten. Und das alles in der Zeit der Abrechnungen und abendlichen Eigentümerversammlungen.

Der Göga leidet erstmals unter Schlafstörungen vor Kummer, was bei Nachtarbeitern besonders ungünstig ist. Noch nie habe ich ihn so erschöpft und besorgt gesehen.

Aber wir rappeln uns wieder. Der Tochter geht es an der neuen Schule wunderbar. Sie hat in ihrer neuen Klasse eine Seelenverwandte gefunden und ist vollkommen im Glück. Von einer Klasse mit 31 Schülern und zahlreichen gefrusteten, zynischen und unwilligen Lehrern kam sie in eine Klasse mit 15 Schülern,  mit engagierten und gut gelaunten Lehrkräften und einer Schulleitung, die sich für jedes Kind einsetzt. Was natürlich nüchtern betrachtet auch zum Teil Marketing ist, zahlende Eltern möchten für ihr Geld eine gute Leistung.

Die finanzielle Seite ist heftig. Als Eintritt muss man ein Elterndarlehen in fast fünfstelliger Höhe einzahlen. Man bekommt das wieder zurück, wenn das Kind ausscheidet, frühestens nach x Jahren. Die monatlichen Kosten sind nicht ganz ohne, und da wir ja noch zwei weitere Kinder an einer Privatschule haben (nicht aus Luxus !), kommen wir auf eine irrsinnige finanzielle Belastung. Momentan wird geklärt, ob ein Zuschuss möglich ist, denn der Wechsel war ja nicht freiwillig, unsere Tochter wollte unbedingt an ihrer alten Schule bleiben, hatte dort trotz aller Probleme Freundinnen und keinen weiten Schulweg.

Es fehlen nun mindestens vier Wochen in meiner beruflichen Terminplanung, ich wache oft nachts schweißgebadet auf und würde am liebsten ins Büro fahren, um Rückstände abzuarbeiten, aber wenn es unserer Tochter langfristig gut geht und sie es irgendwann zuverlässig schafft, mit dem Zug zu fahren, dann wird es uns allen hoffentlich bald besser gehen.

Und dann wird das Blog hier auch wieder belebter, versprochen ! Schon aus reinem Egoismus – Ablenkung tut nämlich gut.

Kommentare:

Mella hat gesagt…

Boah,
einmal ganz ganz fest knuddel. Wo ein Tal ist geht es auch wieder bergauf. Hoffe dass ihr nun endlich finanzielle Unterstützung bekommt.

LG Mella

Doro hat gesagt…

Mal wieder sprachlos vor Entsetzen :-(
Kann man auch immer und immer wieder NOCH eine drauf bekommen? *seufz*
Ich drück dich!

sevenjobs hat gesagt…

Wie kann man denn ein Kind von der Schule verweisen, nur weil es still ist? Ich dachte, stille Kinder seien der Traum eines jeden Lehrers? Für Schulverweis muss man doch schon goldene Löffel geklaut haben, dahcte ich so in meiner Naivität. Hört sich auf jeden Fall alles total irre an. Wünsche Euch einen fetten Goldesel in den Keller.....JETZT....und? ist er da?

Coratriton hat gesagt…

Das darf doch nicht wahr sein! Ich sage ja schon immer: wenn meine Kinder die Schule halbwegs erfolgreich mit einem Abschluss verlassen, dann rutsche ich vor Dankbarkeit auf den Knien nach Lourdes... Aber du kannst da mitkommen und dich noch alle drei Schritte flach auf den Bauch werfen...
Ich drücke die Daumen, dass bessere Zeiten kommen und etwas Ruhe bei euch einkehrt! Alles Liebe und Gute für euch!!!

Frau Kreis hat gesagt…

Uff. Das ist heftig. Hier fliegt kein Kind von der Schule, weil es zu still ist. Gerade in der Unter- und Mittelstufe gibt es doch auch eine Holpflicht seitens der LehrerInnen ... Ich wünsch euch, dass ihr schnell und gut Fuß fasst in der neuen Schule - und den Goldesel wünsche ich euch auch!