Donnerstag, 1. Juli 2010

Ein-Hund-Familie - ein neuer Trend ?

"Und wer durch die grünen Alleen mit den gepflegten Gründerzeithäusern wandert, der könnte glatt vergessen, dass nur noch in 18 Prozent der Hamburger Haushalte überhaupt Minderjährige leben, dass Deutschland eine sich selbst auslöschende Nation ist, in der die Ein-Hund-Familie den Normalfall darstellt und die zukunftslosen Alten die Politik bestimmen. "



http://www.zeit.de/2010/27/Kindergaerten?page=all



Harte Worte, sicher stark übertrieben, aber der Artikel beschreibt in vielen Punkten die Realität - und nicht nur die in Hamburg.



Ich bin hier im Ort in einem Bürgerausschuss. Kürzlich ging die Diskussion darum, wie man die Stadt auch für Kinder und Jugendliche attraktiv(er) gestalten könnte, denn das Ziel ist es, unser Wohnviertel vor dem Überaltern zu schützen, indem es für junge Familien besonders interessant gemacht wird.



Vermutlich werden der Schulhof und der Bolzplatz der örtlichen Grund- und Hauptschule geöffnet werden für alle Kinder, auch diejenigen, die dort nicht zur Schule gehen. Die Verantwortlichen rechnen bereits mit einem ähnlichen Rechtsstreit wie es ihn im Nachbarort gab: Dort mußte die Schule den Sportplatz absolut "einbruchsicher" einzäunen, den Belag so wählen, dass der Lärm so gering wie möglich ist, und allerstrengstens auf die Einhaltung der Öffnungszeiten achten. Die Vorschriften, die ein paar Anwohner durchsetzen, waren so heftig, dass zeitweise über die Schließung des Platzes nachgedacht wurde.



Hier wie dort stand übrigens zuerst die Schule, dann bauten die Anwohner - damals, in den Fünfzigern und Sechzigern, als fast alle Familien noch mindestens zwei, oft auch drei, vier oder noch mehr Kinder hatten, und die inzwischen längst erwachsenen Anwohnerkinder genau dort zur Schule gingen und kickten.



Keine Frage, ein Kindergarten in direkter Nachbarschaft ist sicher oft nervig, aber im zweiten Teil des Textes wird ja beschrieben, dass man durchaus Kompromisse finden kann.



Gegenüber der Wohnung meiner Schwiegermutter ist übrigens ein Altersheim. Im Sommer hört man bei Tag und bei Nacht Schreie, denn demente alte Menschen sind oft sehr laut und jammern. Das ist nicht schön, ich schlucke immer traurig, wenn ich das höre, aber es ist Lebenswirklichkeit.



Wer will das schon - Kinder, Alte, Kranke und Behinderte stören doch nur. Weg mit ihnen, setzt sie irgendwo aus, sie erwirtschaften nichts, machen nur Arbeit und führen uns vor Augen, dass wir täglich in der Gefahr sind, selbst zu einem Pflegefall zu werden. Und spätestens in ein paar Jahrzehnten werden die meisten von uns Hilfe benötigen - wer wird uns dann die Windeln wechseln ?

Kommentare:

Frau Mahlzahn hat gesagt…

Ach, weßt Du, ich freu mich auch schon drauf, wenn ich endlich wegen Kinderlärmbelästigung vor Gericht ziehen darf, denn das heißt dann ja, das ich das Thema durch hab', *scherz*.

So long,
Corinna

schussel hat gesagt…

Ach, das geht auch noch absurder. Hier beispielsweise gibt es ein Programm mit (leicht) vergünstigen Miet- oder Eigentumswohnungen für Familien. Nur Familien mit Kindern. Die Viertel werden entsprechend geplant, mit viel Grün und mit vielen Kindertagesstätten etc. Allerdings gehen die Wohnungen über den Tagesstätten, trotz horrender Mieten auf dem freien Markt, einfach nicht weg. Das verstehe ich nicht - entweder man arbeitet, dann sind die Kinder nur da, wenn man selbst weg ist- oder man hat selbst Kinder zuhause und wird hoffentlich so ein wenig Kinder"lärm" akzeptieren können. Ja, baut mehr Kindertagesstätten, aber bloss nicht bei mir... oder so....

sevenjobs hat gesagt…

Müll wird erfolgreich in Entwicklungsländer verklappt. Vielleicht auch eine Idee?
Ist doch alles traurig oder?

Bioschokolade hat gesagt…

Naja, wasch mich, aber mach mich nicht nass.

Man hätte ja schon gerne dass das Land kinderreich ist, damit jemand später weiter in die Rentenkasse einzahlen kann. Das die Jugend gut ausgebildet ist und sportlich aktiv (und damit gesund) ist wäre auch gut. Eine ortsnahe Krankenhausversorgung mit High Tech ist eigentlich auch selbst verständlich. Aber sehen und hören will man die jungen Menschen oder die Krankenwagen dann doch nicht. Die könnten ja laut sein oder stören und überhaupt, das stört das Gartenambiente. Interessant finde ich übrigens, im Falle des Kindergartens, dass man dann auch gerne den privaten Träger des Kindergartens als Grund vorschiebt.
Naja Leute gibts ... muss ich nicht verstehen ...