Sonntag, 4. Januar 2015

Time to say goodbye




(Foto: Fotolia, DOC RABE Media)

Duke, der Namensgeber dieses Blogs, ist inzwischen sieben Jahre alt – kaum zu glauben, wo ist nur die Zeit geblieben?

Die Kinder der Familie Duke und Co. sind groß. Im Jahr 2015 wird die älteste Tochter ihren zwanzigsten Geburtstag feiern, wird die mittlere Tochter volljährig werden, der Chaosjunior wird auch schon fünfzehn, und auch hier wundern wir Eltern uns, wie das so schnell gehen konnte.

Der Göga arbeitet nach wie vor zu sehr ungewöhnlichen Zeiten, aber er macht dies gerne, das ist gut und eine wichtige Voraussetzung für so einen Beruf.

Meine kleine Firma, die mit der Familie und mit den Kindern gewachsen ist, ist nicht mehr richtig klein. Erst kam vor Jahren der „Auszug“ aus dem Home-Office in ein externes Büro, dann, vor einem Jahr, ein Umzug, weil der Platz nicht mehr gereicht hat. Ich beschäftige inzwischen eine Teilzeitkraft und eine freiberufliche Telefondame.

Was hier schrecklich langweilig und normal klingt, ist nicht so. Es ist einfach nur anders verrückt.

Schaut hier vorbei:



Sonntag, 1. Juni 2014

Die grüne Couch


Vor sehr langer Zeit, unser zweites Kind war gerade geboren, hatten wir genug gespart, um uns eine „richtige“ Couch leisten zu können. Kein tolles Designerteil, das war nicht in unserem Rahmen, aber ein gutes Stück, das vermutlich einiges aushalten konnte. 

Wir fanden die grüne Couch, eine Eckcouch mit einem wunderbar angenehmen Stoffbezug, genannt Alcantara. 
 
Die Couch war damals schick, sie war bequem, sie hielt Babyspucke und Apfelsaft aus, nichts drang in das Gewebe ein, man konnte sie wunderbar abwischen. Unzählige Stunden wurde darauf gesessen, geschlafen, gelesen, gelümmelt – wir liebten sie sehr. Auch insgesamt drei Umzüge überstand sie sehr gut. 
 
Schon vor ein paar Jahren reklamierte die damalige Pubertistin, was für peinliche Eltern wir seien, die Couch ginge gar nicht, voll der Style des letzten Jahrhunderts, da könne man echt keinen Besuch empfangen, man müsse sich schämen, wie ärmlich wir lebten.
 
Irgendwann fand ich die Couch auch nicht mehr so ganz schick, aber sie war einfach so bequem und fühlte sich wahnsinnig angenehm an. Ab und zu bummelten wir durch das eine oder andere Möbelhaus und sahen uns auch die Polstermöbel an, aber niemals gefiel uns etwas gut genug, um auch nur ansatzweise ein Ersatz für diese Couch sein zu können. Außerdem waren wir inzwischen eine ziemlich große Familie mit großen Kindern, die entsprechend Platz auf der Couch beanspruchen, so dass die schönen Sonderangebote aus den bunten Prospekten stets sowieso viel zu klein waren, und die Modelle mit ausreichender Größe in guter Qualität zu teuer für diese Lebensphase.
 
Nun bin ich ein leidenschaftlicher ebay-Stöberer, daher stieß ich irgendwann auf einen Händler, der Ausstellungsstücke vertickert. Man kann bei ihm den Kauf bei Nichtgefallen rückgängig machen, er ist eine Autostunde von hier entfernt und hat sehr schicke Markenmöbel deutlich reduziert. An einem gemütlichen Abend entdeckte ich eine sehr große, U-förmige Wohnlandschaft in seinem Angebot, war mir aber unsicher, denn sie war etwas gediegen in der Farbe, so eine Art Beige. Gesittet und modern, hochwertig, bürgerlich – eigentlich fühlte ich mich nicht alt genug für ein solches Teil. Die große Tochter aber witterte eine Chance und lobte dieses Modell sehr. Ihr Vorschlag war, die Neutralität mit bunten Accessoires zu durchbrechen. Man könnte dieser Couch je nach Laune in einer roten Phase mit Dekokissen und Wohndecken mehr Feuer geben, sie in einer blauen Phase eher kühl wirken lassen, und wenn die alte Mutter einen Vogel bekommt, alle möglichen Farben mischen.
 
Im Shop des Händlers kostete die Wohnlandschaft einen Betrag X, aber auf ebay stellte er sie gleichzeitig zum Bieten mit ein, mit einem hohen Startpreis, aber deutlich unter dem, was er in seinem Onlineshop verlangte. Der Göga sah alles gelassen, meistens vergesse ich nämlich, rechtzeitig zu bieten. 
 
Das Ende der Auktion kam, und es bot genau niemand. Niemand außer mir – ich hatte das Möbelstück ersteigert Zu einem absoluten Spottpreis !
 
Am nächstmöglichen freien Tag des Gögas fuhren wir zu dem Händler, um die Wohnlandschaft anzusehen, genauer gesagt, einen Teil davon, denn der Rest war bereits versandfertig verpackt. Wir wollten lediglich probesitzen und den Stoff in echt anschauen und anfühlen.
 
 Schicker Laden, das muss ich sagen. Wir schauten uns um und entdeckten nirgendwo die Couch. Die sehr netten Jungs dort waren etwas verlegen und zeigten auf einen Zweisitzer ganz am Rande der Ausstellung. „Ja, die Farbe ist etwas anders als auf dem Monitor“, druckste einer von ihnen herum. Das war ziemlich beschönigt: Eine beige Wohnlandschaft auf dem Bildschirm ging für mich okay, aber das Möbelstück hier in der Halle war eher sandfarben bis bräunlich – nein, so auf den ersten Blick gefiel uns das nicht. Wir baten um Bedenkzeit und gingen durch die Ausstellung.
 
Wieder einmal überlegten wir, ob wir nicht doch eine Ledercouch nehmen sollten. Diese Teile sind einfach wahnsinnig schick. Aber wie immer erinnerten wir uns an unsere letzten Ferienhäuser in Dänemark mit den tollen Ledermöbeln – sie sind superpraktisch, gerade in einem Ferienhaus, aber sie fühlen sich niemals so gut an wie unsere grüne Couch, und Kuscheldecken verrutschen darauf ständig. Nein, keine Ledercouch.
 
Im Prinzip würde die sandige Farbe sehr gut in unser Wohnzimmer mit den offenen Balken und den hellen Teppichen passen. Modern war sie auf jeden Fall – wir setzten uns also mal hin. Und waren hin und weg. Man saß wie auf Wolken, der Stoff fühlte sich gut an – nicht so perfekt wie bei der grünen Couch, aber immer noch sehr gut. Und ganz ehrlich, eine riesige Wohnlandschaft, so groß, dass vermutlich deshalb keiner mitgesteigert hatte, die normal gekauft in einer Preisklasse lag, über die wir normalerweise nicht einmal nachdachten, zu einem so günstigen Preis, das war schon klasse.
 
Einige Tage später wurde das gute Stück geliefert, sie war auch zerlegt zu groß für den Van. Vorab musste nun die grüne Couch daran glauben, und das war gar nicht so einfach: Das mittlere Kind hatte erheblichen Abschiedsschmerz und wollte das Versprechen, dass wir die grüne Couch für die erste eigene Wohnung aufbewahren würden. Schließlich gehöre das Teil zu ihrem Leben, auf dieser Couch war sie gestillt worden, hatte geschlafen, ferngesehen, gekuschelt, also nein, die kann nicht weg.
 
Der eher unsentimentale Junior wünschte, dass die Couch in den Hobbyraum gestellt werden solle, denn dort ist sein PC, und dann könnte er nachts durchmachen und irgendwann einfach nur noch ein paar Meter rollen, auf die Couch fallen und schlafen.
 
Der Göga meinte, irgend jemand würde sie bei ebay ersteigern, ganz bestimmt. Aber als er die Fotos der „nackten“ Couch sah, musste auch er zugeben, dass sie alt geworden war. Sie hatte keinerlei Löcher, aber man sah ihr an, dass sie intensiv genutzt worden war. Nein, niemand würde das ersteigern, was für alle anderen einfach nur Sperrmüll war.
 
Daher lebt sie jetzt im Hobbyraum weiter, sehr zum Glück der beiden jüngeren Kinder. Ich fürchte, sie wird noch lange bei uns bleiben.
 
Die neue Wohnlandschaft ist tatsächlich riesengroß. Wir können alle gemütlich zusammen sitzen und haben immer noch viel Abstand – wichtig für Menschen, die zu viel Nähe nicht ertragen. Wenn der Göga und ich uns jeweils hinlegen, bleibt immer noch ganz viel frei. Wir winken uns quasi zu, vom einen Teil des U‘s zum anderen Teil. Und mit den knallig roten und orangefarbenen Kissen und Decken sieht sie echt schick aus. 
 
Trotz dieser komischen Farbe !

Sonntag, 6. April 2014

Bloggertreffen


Ich gehöre nicht zu denen, die sich häufig mit Internetbekanntschaften treffen. Nicht mangels Interesse, sondern einfach, weil mein Alltag so randvoll ist, dass ich schon die Pflege realer Freundschaften hier vor Ort oft leider viel zu sehr vernachlässigen muss. Zu meinen Wünschen an den Ruhestand gehört es definitiv, ganz viele Treffen nachzuholen.

Als Petra, die Autorin der beiden Blogs Momblog und dem von mir ganz besonders geschätzten Sevenjobs mir ein Treffen vorschlug, weil sie beruflich nach Stuttgart reiste, war aber sofort klar, dass diese Gelegenheit musste genutzt werden musste. 

Die Jubiläumssäule vor dem Schloss ist leicht zu finden – aber als ich dort war, erschien mir die Idee doch etwas unüberlegt: Es war ein sonniger Tag, es waren sehr, sehr viele Menschen dort, und ich bin ja eh gesichtsblind, wie sollte ich da jemanden nur aufgrund eines Fotos identifizieren ?

Zum Glück erkannte Petra mich zuerst, und wir besuchten ein Café. Es war, zumindest für mich, als würden wir uns schon lange kennen, die Plauderstunde war viel zu schnell vorbei, und ich fand das Treffen sehr inspirierend. Danke, Petra !
 
 

Dienstag, 4. März 2014

Alt ist relativ


Meine allerliebste Exnachbarin, eine junge Frau mit kleinen Kindern, hatte in der letzten Zeit zunehmend melancholisches bei Facebook gepostet. Das passt nicht zu ihr, der flippigen jungen Mutter, und ich fragte sie besorgt, was denn los sei. Sie erzählte, dass sie sich so alt fühle. Natürlich reagierte ich wie alle reiferen Damen – ich lachte und meinte, was ICH denn dann wohl sei – scheintot ?

Nun ergab es sich kürzlich, dass wir spontan wie früher zusammen auf dem Bänkle vor ihrem Haus sitzen konnten und ich hakte genauer nach. Ja, sie fühle sich echt alt. Einige andere Familien sind wie wir weggezogen. Die neue Nachbarin sei ein junges Huhn, fünfundzwanzig und einfach nicht auf ihrer Linie. Die Kinder sind nicht mehr lange Kinder, die Pubertät naht mit großen Schritten – und ihr vierzigster Geburtstag.

VIERZIG ? Meine junge Exnachbarin wird bald VIERZIG ?

Mal ganz ehrlich, diese Zahl passt echt nicht zu ihr, und diese großen Mädels, die sind auch nicht die süßen Gören, die ich vor mir sehe bei dieser Familie.

Eigentlich ist mir mein eigenes Alter relativ egal. Die jetzige Zahl (47) sieht rein ästhetisch betrachtet hässlich aus, aber ich sehe sie ja nicht so oft. Gefühlt bin ich körperlich ungefähr neunundachtzig, da dauererschöpft, geistig aber nicht älter als fünfundzwanzig, bilde ich mir ein. Es KANN eigentlich nicht sein, dass die liebe Exnachbarin auf die Vierzig zugeht.
 
Da bleibt nur, immer wieder daran zu denken, möglichst JETZT zu leben – die Jahre gehen viel zu schnell vorbei

Sonntag, 26. Januar 2014

Neues Jahr, neues Team


Vor ziemlich genau einem Jahr startete ich beruflich recht optimistisch. Ich hatte eine Mitarbeiterin gefunden (http://duke-im-netz.blogspot.de/2013/01/bewerbungen.html) , hatte den Eindruck, sie würde sich bemühen, und war daher zuversichtlich, dass beruflich alles in geordneten Bahnen verlaufen könnte. Die Aufgaben von Frau P. waren eigentlich recht einfach für jemanden, der ausgebildete Wirtschaftsassistentin mit Kenntnissen von Office 2010 ist. Sie sollte Telefonate entgegennehmen, Kontoauszüge verbuchen nach genauen Vorgaben, und die Ablage machen. Langfristig hatte ich an weitere Aufgaben gedacht, wie zum Beispiel die Übernahme des Mahnwesens – verbunden mit einer Gehaltserhöhung.

Einiges ging schief. Ich dachte, es müsse an mir liegen, vielleicht hatte ich mich ungenau ausgedrückt.

Möglicherweise ging ich auch zu sehr von mir aus. Ich hatte in meinem Leben schon viele Jobs, gerade in der Ausbildung war ich gezwungen, nebenbei etwas dazuzuverdienen und machte allerlei. Immer sorgfältig, behaupte ich mal, und das erwarte ich eigentlich auch von anderen.

Eine Kundin rief an und fragten, ob der Betrag xy eingegangen sei. Laut der von Frau P. bearbeiteten Datei war er das nicht. Ich schaute sicherheitshalber direkt bei den Kontoauszügen nach – das Geld war eingegangen, aber nicht verbucht. Frau P. hatte ein ganzes Blatt übersehen. Das kam erschreckend oft vor und führte zu einigen Problemen.

Wenn die Ablage gemacht und die Auszüge verbucht waren, also im letzten Drittel des Monats, hatte Frau P. Leerlauf. Ich bat sie, nicht SCHNELL zu arbeiten, sondern bittebitte SORGFÄLTIG. Es brachte nichts, sie machte viele Fehler.

Da sie laut Zeugnis fit sein sollte mit Office 2010, bat ich sie, Serienbriefe vorzubereiten. Ich bin nämlich KEINE gelernte Bürofachfrau und kann das bisher nur mit Office 2000. Freundliches Lächeln – eigentlich könne sie das gar nicht. Schulterzucken, Pech gehabt.

Ihre Arbeitszeiten hatte ich an die Abholzeiten ihrer Kinder angepasst, Ende 11.30 Uhr statt 12.00 Uhr. Frauen müssen zusammenhalten. Um die nicht geleistete, aber bezahlte Zeit reinzuarbeiten, durfte sie die Versammlungsprotokolle daheim nach Diktat abtippen. Häufig schrieb sie dabei ganze Sätze doppelt und bemerkte es nicht. Namen waren falsch geschrieben trotz Vorlage. Darauf angesprochen, lächelte sie freundlich und meinte, wenn es mir wichtig sei, würde sie künftig die Texte nach dem Tippen nochmals durchlesen.

Selbstverständlich hatte sie einen offiziellen Arbeitsvertrag, obwohl sie nur Minijobberin war, natürlich bezahlte ich ihr sechs Wochen Urlaub, bezahlte ihre Stunden, wenn ein Feiertag an dem eigentlichen Arbeitstag war, und war stets flexibel, wenn eine Schulveranstaltung ihr Kommen verhinderte.

Zu den Kunden war sie freundlich. Sie kam morgens auf die Minute, ging pünktlichst heim, aber sie war anwesend. Ein einziges Mal bat ich sie, an einem anderen Tag zu kommen, weil ein Termin mich beanspruchen würde. Der Arbeitsvertrag gibt das her, jeder andere Chef hätte einfach nur angeordnet. Ich habe gebeten – und eine Abfuhr kassiert. Die Schwiegermutter habe Geburtstag, da könne sie nicht morgens arbeiten.

Der Hagel im Juli wirbelte bei allen Beteiligten den gesamten Betrieb durcheinander. Notbetrieb, Chaos, Dauertelefonate, all das führte dazu, dass Frau P. weitgehend frei und unkontrolliert vor sich hinarbeiten konnte. Ich hatte keine Zeit, sie zu kontrollieren.

Ab Oktober prüfte ich die Buchungen im Hinblick auf die kommende Jahresabrechnung. Und stellte fest, dass Frau P. unglaublich nachlässig gearbeitet hatte. Fehler passieren, auch mir, aber in dieser Menge, wenn man keine weiteren Aufgaben sonst hat, darf das nicht sein. Ich führte ein ernstes Gespräch mit ihr. Sie war traurig und versprach, sich zu bemühen.

Im Herbst zog ich in ein größeres Büro um. Hier haben wir mehr Platz, es gibt einen zweiten Raum für’s Archiv und die Option auf einen dritten Raum. In weiser Voraussicht bar ich Frau P. gleich gar nicht um Hilfe beim Umzug.
 
Hier arbeite ich jetzt (der Boden ist nicht beige, sondern weiß mit grau, das sieht man nicht so gut):
 

 

 

Am ersten regulären Arbeitstag nach dem Jahreswechsel fand ich den Büroschlüssel in meinem Briefkasten, zusammen mit einem Kündigungsschreiben, datiert vom 30.12.2013: Frau P. kündigte „zum 31.12.2013“, weil sie eine andere Stelle habe, und bedankte sich für meine stets sehr freundliche Art. Ich möge ihr doch bitte ein Zeugnis schreiben. 

Ich bin froh, dass sie weg ist. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie man so gleichgültig und schlicht im Denken sein kann. Während der Weihnachtszeit hatte ich lange darüber nachgedacht, dass die Zusammenarbeit so keinen Sinn macht. Es ist blöd, gerade zur Abrechnungszeit keine Mitarbeiterin zu haben. Auch wenn ihr Aufgabengebiet eher einfach war – machen muss man es, und es kostet Zeit.

Inzwischen habe ich wieder jemanden gefunden und hoffe, dass das klappt. Es gab viele Bewerbungen, aber diesmal waren einige gute Leute dabei und die Auswahl eher schwierig.

 Neues Jahr – neues (Mitarbeiterinnen-)Glück – hoffentlich !

 

Sonntag, 29. Dezember 2013

Jahresrückblick


Nur noch zwei Tage, dann machen wir hier einen fetten Knoten unter das Jahr 2013 und schauen nur noch nach vorne.

Zwei unserer Kinder haben einen guten Schulabschluss geschafft. Das fühlt sich wunderbar an, es ist ein großer Etappensieg, wir sind so stolz auf unsere Töchter, die weit mehr zu bewältigen hatten als viele andere Mädchen. Das habt ihr toll gemacht !

Der Junior hat uns über viele Monate sehr ernsthafte Sorgen bereitet. Es ging ihm so schlecht, und selbst die Fachleute runzelten die Stirn und hatten keinen wirklichen Rat. Aber irgendwann rappelte er sich doch noch, und momentan scheint es auch langfristig wieder aufwärts zu gehen mit ihm. Man sollte nie, nie, nie die Hoffnung und das Vertrauen aufgeben, das hat sich wieder einmal gezeigt.

Beruflich war das Jahr der helle Wahnsinn für uns beide. Der Göga arbeitet an sich sehr gern, und daher bemerkte er nicht, dass seine Gesundheit erheblich litt. Sorgen daheim und viel zu viel Arbeit, Tag und Nacht mit viel Wechsel und vielen Überstunden, das geht irgendwann schief. Er hat gerade noch die Kurve gekriegt.

Ich habe eine Mitarbeiterin eingestellt, es ging nicht mehr anders. Sie entlastet mich zwar, kann aber sehr offensichtlich vieles nicht, was geplant war. Ich bin noch etwas unentschlossen, wie das weitergehen soll.

Da ich unbedingt mehr Platz für das Archiv brauchte, schaute ich mir entsprechende Lagermöglichkeiten an. Das führte dann dazu, dass ich gleich neue Büroräume anmietete – das Angebot war einfach zu gut. Jetzt habe ich sehr schöne Räume mit viel Platz und der Option, noch ein weiteres Zimmer in dem Gebäude anzumieten, falls es wieder zu eng wird. Die Vermieter sind sehr lustig, im hinteren Haus proben noch zwei Bands, und eine Malerin hat ihr Atelier dort – ein witziges Umfeld.

In meiner Kundschaft gab es mehrere Todesfälle, manche davon sehr überraschend, einige sehr, sehr tragisch. Ich musste deutlich mehr Kondolenzkarten schreiben als in den anderen Jahren, und ich sollte emotional viel mehr Distanz zu meinen Kunden halten, aber das kann ich nicht, das bin dann einfach nicht ich.

Ein schweres Unwetter hat hier extreme Schäden angerichtet. Privat hat es nur zwei Dachfensterrolläden zerlöchert, aber beruflich war es eine richtige Katastrophe:  mehrere Dächer und Dachfenster bei Kunden wurden stark beschädigt und somit Notfälle, alle Handwerker arbeiteten Tag und Nacht und kamen nicht nach, Fassaden waren zerdeppert, und gefühlt muss ich Tausende von Rolläden begutachten und reparieren lassen. Wenn ich bis zum Sommer 2014 – also ein Jahr nach dem Hagel – komplett fertig bin, dann bin ich gut. Die Mehrarbeit ist eigentlich kaum zu schaffen, zwischendurch war ich echt am Ende mit den Nerven und der Kraft.

Unser Sommerurlaub in Dänemark war eigentlich sehr schön. Traumwetter, ein tolles Haus, ein schöner Strand, aber es war nur wenige Tage nach dem Hagel, das Mailpostfach brach zusammen wegen der vielen Schadensmeldungen samt Bildern, und ich musste jeden Tag ein, zwei Stunden arbeiten, da absehbar war, dass sich sonst unbewältigbare Berge ansammeln würden. Die Berge hatte ich dann aber trotzdem. Und Junior ging es trotz Urlaub nicht gut, so dass wir beide, der Göga und ich, jede Nach schlaflos grübelten, wie das weitergehen sollte.

Ein Todesfall in der Familie wirbelte einiges auf, was längst vergessen schien (nein, kondolieren ist definitiv nicht nötig). Wir mussten uns mit Themen beschäftigen, die wir niemals nie auf dem Schirm gehabt hatten, und waren sprachlos über die Niederträchtigkeit mancher Menschen.

Die große Tochter studiert mit großer Leidenschaft in Tübingen. Sie soll es besser haben als ich, sie soll genau das machen, was ihr gefällt, und sie macht das großartig. Dadurch kam aber bei mir selbst ohne Vorwarnung sehr alter Schmerz wieder auf. Ich habe auch einst in Tübingen studiert, aber abgebrochen, weil ich nicht mehr vom guten Willen meiner schwierigen Eltern abhängig sein wollte, nicht bafögberechtigt war und nicht in der Lage, mich komplett selbst zu finanzieren. Schade, ich war zu schwach – ich hätte auf den Tisch hauen und mich wehren sollen, denn meine Eltern hätten sich mein Studium locker leisten können und durchaus auch müssen.

Der Schmerz darüber hat mich selbst überrascht, aber inzwischen kann ich meistens recht gut damit umgehen, denke ich.

Gegen Ende des Jahres fühlten wir uns ziemlich erschlagen, aber es kehrte dann doch noch Ruhe ein. Weihnachten verbrachten wir gemütlich nur als Familie, und da der Göga jeweils am Heiligen Abend halb und am 2. Feiertag abends arbeitet, ich selbst um diese Zeit auch viel zu tun habe, ist schon fast wieder Alltag. Wir genießen es aber trotzdem, dass wir länger schlafen können, keinen Termindruck haben durch Schulkram und Bahnfahrpläne, und versuchen, uns möglichst viele schöne Momente zu schaffen.

In diesem Sinne endet 2013 für uns versöhnlich und wir schauen optimistisch Richtung 2014.

 
Allen Freunden, realen und virtuellen Bekannten und sonstigen Lesern wünsche ich einen guten Rutsch und ein gesundes, fröhliches und erfreuliches Jahr 2014 !

Dienstag, 15. Oktober 2013

Alte Menschen

Um uns herum werden zunehmend fünfzigste Geburtstage gefeiert, und auch wir sehen die Fünf schon leise um die Ecke grinsen. Das bedeutet allerdings zwangsläufig, dass die Elterngeneration – unsere eigenen und die der Freunde, und die Onkel und Tanten, zwangsläufig inzwischen alt bis sehr alt sind. Mein Vater wurde kürzlich siebzig, bei meiner Mutter steht das nächstes Jahr an. Sie waren recht junge Eltern, haben mich mit Anfang zwanzig bekommen, was damals üblich war. Zum Glück sind sie zu zweit und wohlhabend, können mailen und im Internet surfen und einkaufen, was auch immer ihnen gefällt. Wir haben kaum Kontakt, und ich schiebe den Gedanken daran, dass sie irgendwann Unterstützung benötigen werden, meistens weit weg. Sie werden sich locker eine luxuriöse Pflege leisten können, und, siehe oben – noch sind sie zu zweit.

Meine Schwiegermutter ist älter, da sieht man schon den Achtzigsten am Horizont. Sie lebt schon sehr lange alleine, ist aber trotzdem sehr unselbständig. Ihr ganzes Leben wird schon immer von anderen Menschen geregelt, sie stellt sich gerne hilflos an und hat auch keinerlei Interesse daran, selbst klarzukommen. In den letzten Monaten hat diese Hilflosigkeit in Kombination mit Alterserscheinungen stark zugenommen und unter anderem dazu geführt, dass sie bei ihren Kindern regelrechten Telefonterror macht. Fast täglich fällt ihr irgend etwas ein, was sie ganz dringend braucht. Nur, weil man gestern für sie in der Apotheke war, heißt das ja nicht, dass man nicht heute unbedingt sofort noch den Aspirinvorrat auffüllen könnte. Arztbesuche und damit verbundene Taxidienste nehmen ein unerträgliches Ausmaß an. Es geht übrigens nicht um wirkliche Krankheit, sondern fast immer um leichte Infekte oder Befindlichkeitsstörungen, denn der ärztliche Ratschlag ist meistens, sie solle sich eben etwas schonen und Tee trinken.

Hartnäckig telefoniert sie so lange und so penetrant hinter ihren Kindern her, besonders dem Göga, weil er durch Schichtdienst immer wieder auch tagsüber daheim ist, und dem Schwager, der um 16.00 Uhr Feierabend hat, bis sich doch einer erbarmt und sie zu den Arztterminen fährt. Ein Taxi lehnt sie ab. Wir würden es sogar bezahlen, aber nein, sie wünscht von ihren Kindern gefahren zu werden. Wer sie fährt, muss dann im Wartezimmer warten, bis sie fertig ist und nach Hause chauffiert werden darf.Telefonate dauern endlos, weil sie, die schon immer sehr viel geredet hat, nun vollkommen grenzenlos plappert. Sie würde nicht bemerken, wenn man auflegen würde, sie interessiert sich auch nicht für noch so klare Ansagen, dass man gerade keine Zeit habe, sie ist sehr, sehr anstrengend. Wir haben aber selbst alle ein mehr oder weniger ausgefülltes Leben mit Beruf und Familie, wir können und wollen nicht andauernd auf Zuruf vorbeikommen, das geht einfach nicht. Göga und sein Bruder sind jeweils ein bis zwei  mal pro Woche bei ihr, ich denke, sie müssen kein schlechtes Gewissen haben. Die Schwägerin hat eine längere Anfahrt und kommt meistens am Wochenende, zwischendurch liefere auch ich die gewünschten Dinge ab, vernachlässigt wird Schwiegermutter also definitiv nicht.

Viele meiner Kunden sind inzwischen achtzig Jahre und älter. Im Prinzip bin ich sehr nachsichtig mit ihnen, auch wenn sie das dritte Mal anrufen aus Tüdeligkeit, weil sie die anderen Anrufe vergessen haben. Ich freue mich über einige sehr fitte und charmante alte Menschen, die sogar oft mailen können, sich noch für vieles interessieren und spannende Gesprächspartner sind. Trotzdem sind es eben vor allem Kunden, und es gibt Phasen, da sprengen sie fast den Geschäftsbetrieb. Sie besuchen mich mal eben, weil ihnen langweilig ist, und finden kein Ende. Sie melden mir jede noch so unwichtige Kleinigkeit. Ich weiß genau, wer welche Putzmethoden hat, bin über alle Urlaube der Rentner und der Nachbarn informiert, kenne den Termin der nächsten Darmspiegelung, und ich kann mich darauf verlassen, dass jeder Handwerker strengstens überwacht wird. Was schon dazu geführt hat, dass mehrere Firmen sich in bestimmten Häusern über penetrante Rentner beschwert haben, die ihnen gesagt haben, wie sie zu arbeiten hätten – schließlich war jeder von uns schon mal in einem Baumarkt und ist daher Fachkraft, und man sieht es regelmäßig im Fernsehen, dass man aufpassen muss, überall wird man betrogen.

Ein kurzer Plausch wegen einer Nichtigkeit kostet weit mehr als „nur“ die reine Gesprächszeit. Man unterbricht eine andere Arbeit, muss sich anschließend erst wieder eindenken, kann je nachdem, was gerade anstand, eine Sache nicht wie geplant zu Ende bringen – und das nur, weil Herr XY anruft und fragt, ob man besser diese Woche oder doch erst nächste Woche den Gärtner kommen lassen solle. Er sei ja gestern beim Arzt gewesen, und der Erwin, der hat erzählt, seine Hecke würde erst in zwei Wochen geschnitten, aber Gerda findet, dass……. und so weiter.

Sehr schwierig wird auch bei einigen Menschen eine gewisse Wesensveränderung im Alter. Viele werden sehr misstrauisch, tyrannisch und böse. Sie merken es nicht, denke ich, und es ist meistens keine Absicht, aber es ist unangenehm für alle Beteiligten. So habe ich aktuell mit einer eigentlich sympathischen älteren Kundin eine schwere Auseinandersetzung: Sie behauptet, der Dachdecker, der nach dem Hagelschaden das undichte Dach ausgebessert hat, habe ihre Wäscheleine gestohlen. Sie lehnt jeden Ersatz ab, nein, sie möchte genau diese Leine zurückbekommen, und sie will, dass er es endlich zugibt. Fast täglich ruft sie deswegen empört an, hat sogar eine Anzeige bei der Polizei erstattet – die wiederum mich genervt angerufen und um eine neue Leine gebeten hat, damit die Frau Ruhe gibt – gibt sie aber nicht.

Nicht selten sagen ältere Wohnungseigentümer sehr offen, dass diese jungen Leute – gemeint sind alle Menschen unter sechzig – im Prinzip nichts mit abzustimmen haben, sie hätten die älteren Rechte. Sie wissen auch alles besser, unbeirrt, egal, ob sich Gesetze geändert haben, das interessiert alles nicht. Mangels Zeitgefühl rufen sie hemmungslos auch Samstags und Sonntags an, früh morgens oder spät abends, ganz egal, und ich hatte es auch schon, dass Herr XY sich beschwert hat, weil ich nicht Samstags zurückgerufen habe – er hätte schließlich nur eine kurze Frage gehabt. Schwiegermutter wartet meistens bis acht Uhr, bevor  sie anruft, aber auch nicht immer. Ich bin begeistert, wenn Schulferien sind und um sieben Uhr das Telefon klingelt…

Ich bin inzwischen so genervt von alten Menschen, dass es mir wirklich sehr schwerfällt, geduldig und nachsichtig zu sein, und zwar sowohl beruflich als auch privat.







Sonntag, 22. September 2013

Blognachbarschaft - Leseempfehlung

Adrian hat angefangen zu bloggen, und da ich seine Texte wunderschön sowie seine Inhalte sehr wichtig finde, erfolgt hier eine unbedingte Leseempfehlung:

http://www.blogblatt.com/


Sonntag, 8. September 2013

Das Ferienende ist das wahre Silvester



Morgen gehen nun auch in Baden-Württemberg die Sommerferien zu Ende, und ein neues Schuljahr beginnt, bei uns erstmals mit nur zwei Schulkindern, denn die große Tochter hat ihr Abitur in der Tasche und wird studieren.

Während ich an Silvester meistens nicht besonders rührselig bin, macht mich der erste Tag eines Schuljahres viel nervöser. Das Lehrerlotto steht wieder an, man darf gespannt sein, wie die Stundenpläne aussehen, und der Familienalltag wird wieder diktiert von außen. Abends können wir nicht mehr herumgammeln und quatschen, wie es sich ergibt, das Essen muss pünktlich fertig sein, weil alle nicht zu spät ins Bett gehen sollten, die Nachmittage sind nicht mehr frei verfügbar, und morgens klingelt der Wecker zu einer grausamen Zeit.

Diesen Teil des Kinderhabens hatten wir bei unserer Familienplanung definitiv nicht auf dem Schirm.

Ich wünsche allen Schülern ein schönes und erfolgreiches Schuljahr 2013/2014 !

Mittwoch, 15. Mai 2013

Die Deutsche Bahn und die Schwarzfahrer


Wir bezahlen für die Schülermonatskarten pro Kind rund achtzig Euro pro Monat. Der Betrag wird von unserem Konto abgebucht, noch nie gab es irgendwelche Zahlungsprobleme, wir sind eigentlich Traumkunden, finde ich.

Schüler ab dem 15. Lebensjahr müssen als Nachweis ihrer Schülereigenschaft die sogenannte Berechtigungskarte zur Benutzung von Schülerzeitkarten mit sich führen. Auf diesem schicken, bahneigenen Formular bestätigt die Schule, dass der Fahrkarteninhaber tatsächlich dort beschult wird. Damit das alles auch seine Richtigkeit hat, muss die Bahn die Karte gegenzeichnen, erst dann gilt sie.

Man könnte natürlich in die Beförderungsrichtlinien aufnehmen, dass bei Schülern ein gültiger Schülerausweis mitzuführen und auf Verlangen vorzuzeigen ist, aber das würde den bürokratischen Aufwand unnötig verringern und vermutlich die Fahrkartenkontrolleure intellektuell überfordern – ich gehe davon aus, des Schülerausweise nicht einheitlich sind, so dass dem Betrug Tür und Tor geöffnet würde.

Unsere Tochter wurde kontrolliert. Der Berechtigungsausweis war seit kurzem abgelaufen, wir hatten das nicht bemerkt. Der Schülerausweis wurde nicht akzeptiert, siehe oben.  Der Kontrolleur hatte eine Auszubildende dabei und wollte ihr nun vorführen, wie mit Schwarzfahrern umzugehen ist. Unsere Tochter wurde über mehrere Bahnstationen quasi erkennungsdienstlich behandelt. Fingerabdrücke wurden keine genommen, da hatte sie Glück. Sie durfte auch gerade noch an der richtigen Station aussteigen, ich weiß nicht, was der Kontrolleur gemacht hätte, wenn zu diesem Zeitpunkt die Daten noch nicht vollständig in seinem Computer eingegeben worden wären.

Heim kam unsere Tochter dann mit einem langen Ausdruck: Frau XY, geboren am, und so weiter, muss die Fahrpreisnacherhöhung von € 40,00 (inzwischen sind das übrigens € 60,00) bezahlen oder nachweisen, dass es einen gültigen Fahrausweis gab. Nachzuweisen ist dies durch das Einscannen des Fahrausweises und Übermittlung an diese Seite. Die Damen im Reisezentrum konnten uns nicht helfen, das müsse online gemacht werden, einfach so ganz naiv die Unterlagen vorzulegen am nächsten größeren Bahnhof, das ist viel zu einfach, geht nicht.

Selbstverständlich haben wir umgehend die Berechtigungskarte erneuert. Ich habe alles eingescannt und unter Angabe der FN-Nummer eine Nachricht an das oben verlinkte Schwarzfahrerportal geschickt, und jetzt das Antwortschreiben auf dem Postweg erhalten:

„Sehr geehrte Frau DukeimNetz,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom xxx. Wir bedauern, dass Ihr minderjähriges Kind am xxx während seiner Fahrt von xxx nach xxx in die unangenehme Situation einer Fahrpreisnacherhebung kam.

Ihre Tochter konnte keine gültige Berechtigungskarte vorlegen.

Wir haben Ihre Unterlagen geprüft und reduzieren unsere Forderung auf den Betrag von € 7,00. Geben Sie dabei die Nummer der Fahrpreisnacherhebung an.

Sehr geehrte Frau DukeimNetz, wir wünschen Ihrer Familie künftig eine gute Fahrt.

Mit freundlichen Grüßen
DB Vertrieb GmbH
Fahrpreisnacherhebung“

Die € 7,00 werde ich brav überweisen, trotzdem täglich dankbar sein, wenn meine Kinder überhaupt irgendwann ankommen, die mindestens drei Verspätungen pro Fünftagewoche gelassen hinnehmen, nicht nachrechnen, wie viele Stunden ich schon am Bahnhof auf die verspäteten Kinder gewartet habe (es fährt kein vernünftiger Anschlussbus in unseren Teilort), nicht ausrechnen, wie viel Benzin ich schon verfahren habe, weil Züge ganz ausgefallen sind (Stuttgart 21 betrifft unsere Strecke, Weichen- und andere technische Probleme sind Standard), nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn meine Tochter vor einem Jahr so angegangen worden wäre – die jahrelange Aufbauarbeit, die es überhaupt möglich gemacht hat, dass sie selbständig Zug fährt, wäre zunichte gemacht worden.

Trotz eigentlich gültiger Fahrkarte.

Daher: kontrolliert gegebenenfalls alle bahn-amtlichen Zusatzdokumente, sonst werdet ihr, bzw. eure Kinder, unversehens zum Verbrecher ;-)

Sonntag, 12. Mai 2013

Hyperaktives Lesen

© shandrus - Fotolia.com


Bücher kommen gleich nach Schokolade – beides ist lebensnotwendig, und ich zeige Entzugserscheinungen, wenn eines davon nicht greifbar ist. Ich habe die  „Luxusvariante“ des Leseausweises für die Stadtbücherei der Kreisstadt. Diese beinhaltet das kostenlose Ausleihen von ansonsten zuschlagpflichtigen Bestsellern, und erlaubt eine unbegrenzte Zahl an Medien gleichzeitig mitzunehmen. Außerdem ist unsere Bücherei an die Onleihe angeschlossen, ich kann also eBooks ausleihen.

Das ist für einen Lesejunkie das Paradies – eigentlich. Wenn ich bei Kunden in der Kreisstadt vorbeischaue, mache ich noch kurz einen Ausflug in die Bücherei. Meistens komme ich gar nicht über das Erdgeschoss hinaus, denn dort befindet sich die Abteilung mit den Bestsellern und den Neuanschaffungen. Ich stehe mit leuchtenden Augen davor und ergänze meine innere Liste der unbedingt zu lesenden Bücher. Gleichzeitig muss ich den Terminplan der nächsten vier Wochen durchdenken, denn fast immer werden die Bestseller von anderen Lesern vorbestellt, so dass ich sie nicht verlängern kann. Wie viel Zeit bleibt mir also zum Lesen, bis ich mich wieder trennen muss ? Ich gehe meistens mit mehreren Büchern heim. Viele davon sind Sachbücher für zwischendurch, und ich bin stets davon überzeugt, dass ich sie schaffen werde bis zum Rückgabetermin. In meinem Wohnzimmerschrank gibt es ein Regal nur für ausgeliehene Bücher, und dieses ist stets gut gefüllt.

Noch viel verführerischer ist die Onleihe. Mit wenigen Klicks ist das jeweilige Buch auf dem Reader oder Tablet, es kostet mich nichts zusätzlich, es gibt keine Wartezeiten, nichts. Leider habe ich auch hier ein großes Entscheidungsproblem und leihe daher aus purer Verzweiflung mehr Lesestoff aus, als ich schaffen kann.

Dass eine meiner ersten „Freundschaften“ im Internet die enge Kundenbeziehung zu einem großen Onlinebuchhändler war, dürfte niemanden überraschen. Da trotzdem auch der Buchhandel vor Ort unterstützt werden muss, entscheide ich oft genug spontan, dass so manches Buch dauerhaft und für die lesenden Kinder als Option in unseren Bestand gehört. Ich kaufe eben lieber Bücher als Schuhe.

Die Frage nach dem Buch, das ich gerade lese, kann ich nie spontan beantworten. Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig, meistens drei bis fünf Stück parallel. Nur, weil ich gestern den Thriller angefangen habe, heißt das ja nicht, dass mir heute der Sinn nach Leichen ist, im Gegenteil, jetzt gerade lacht mich das Sachbuch über Controlling an, und nachher werde ich das schicke Kochbuch durchblättern bei der Planung der nächsten Woche. Und so weiter…
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Das alles hat aber auch eine Kehrseite. Während früher, in den analogen Zeiten, also im letzten Jahrhundert, meine Stapel ungelesener Bücher überschaubar waren, bin ich jetzt umzingelt von termingebundenem Lesestoff. Fünf interessante eBooks laufen in drei Tagen ab, der wahnsinnig spannende Bestseller muss in zwei Wochen abgegeben werden, das tolle Kochbuch, das ich kürzlich ausgeliehen habe, wurde noch immer nicht getestet, die Schenkbücher von Weihnachten und Geburtstag lachen mich an, aber ich lese sie nicht, weil hier ja keine Rückgabefrist drängt.

Dank Cookies werden mir bei jedem Besuch einschlägiger Seiten weitere interessante Bücher vorgeschlagen. In Buchhandlungen liegen Prospekte aus, die ich immer mitnehmen muss, es geht einfach nicht anders. Von allen Seiten ruft es „Lies mich !“. Es ist paradiesisch, dass ich fast immer und überall sofort genau das lesen kann, was mir gerade in den Sinn kommt, aber es ist tatsächlich manchmal zu viel auf einmal.

Ich bin mir sehr sicher, dass ich als Rentner keine Langeweile haben werde. Im Idealfall stelle ich die Schriftgröße meines Readers auf L und lese, lese, lese – alles, was gerade neu erschienen ist, und alles, was ich über die Jahre in den Regalen angesammelt habe. Bis dahin werde ich eben die Zeitfenster des Alltags nutzen – Wartezeiten vor Terminen, Nachtschichtnächte des Gögas, Ferienzeiten.


Montag, 18. Februar 2013

XXL-Schnitzel im Schnitzelparadies



In unserer Kreisstadt hat eine Niederlassung einer Schnitzelkette eröffnet. Der besondere Gag dort sind wohl die XXL-Portionen – Schnitzel bis zum Abwinken. Meine Familie liebt Schnitzel, und sie ist gefräßig. Und daher dachte ich, nun lasse ich mal alle ethischen Bedenken weg und gönne der Brut einen Abend mit geklebten Pseudoschnitzeln.

Natürlich habe ich bei dem Preis und bei der offensichtlichen Ausrichtung auf Gäste, denen es mehr um Masse als um Qualität geht, kein besonderes Ambiente erwartet. Es war klar, dass das Schnitzel für neunneunzig nicht so lecker sein würde wie das liebevoll angerichtete Schnitzel im gutbürgerlichen Restaurant für achtzehn Euro.

Der Laden liegt in einer Seitenstraße in einem heruntergekommenen Altbau. Eine uralte Kneipe war offensichtlich reaktiviert und im Design der Schnitzelkette notdürftig renoviert worden, aber es war durchaus gemütlich und sauber. Das Personal war freundlich und schnell, da gab es nichts zu meckern. Das Publikum war durchwachsen, sehr viele Menschen, die sicher nicht unbedingt besonders gebildet waren, Modell „Ey, Alder!“, einige sehr junge Gäste, aber okay.

Ich bestellte ganz bescheiden ein Ladyschnitzel mit Pommes extra, denn die waren im Preis nicht enthalten. Das fand ich zwar seltsam, aber ich bemerkte dennoch nicht den skeptischen Blick der Bedienung. Die Kinder wollten dann doch alle nicht das berühmte XXXXXL-Schnitzel, sondern nahmen normale Portionen. Eine Cola war erlaubt, aber maximal 0,5 l – es gibt dort bis zu Dreilitergläser Cola…

Und dann kam das Essen, und mit ihm der Schock. Hätte ich die Speisekarte genauer gelesen, wäre mir aufgefallen, dass alle Schnitzelgerichte auf der Karte mit XXL-Fleisch serviert wurden. Jeder von uns hatte mindestens vier Scheiben Schnitzel auf dem Teller, so dass alles über den Rand hinaushing. Unter den Fleischbergen waren dann die Beilagen. Auf dem Bild oben sieht man eine bereits angefangene Portion, es fehlen also ein oder zwei riesige Scheiben.

Ich mag Schnitzel, es sah lecker aus, also fing ich mal an zu essen. Der Kellner meinte, man gehe immer davon aus, dass die Gäste den Rest mit heimnehmen, es gebe daher standardmäßig Verpackungsmaterial am Ende der Mahlzeit.

Noch einmal – ich habe wenig erwartet. Aber das wurde deutlich unterboten.

Diese Schnitzel sind groß und dünn. Sehr, sehr dünn. So dünn, dass stellenweise deutlich mehr Panade als Fleisch vorhanden ist. Man isst also Panade mit papierdünner Fleischfüllung. So sehr ich Panade mag – diese Menge, in nicht wirklich leckerem Fett gebacken, das widersteht einem recht schnell. Mir zumindest, denn das Stammpublikum schaufelte und schaufelte, und auch meine Kinder mampften vor sich hin. Sie zeigten aber recht früh deutliche Ermüdungserscheinungen.

Letzen Endes mussten wir ungefähr die Hälfte des Essens einpacken, obwohl die Männer der Familie sich bemühten, alles aufzuessen. Junior wurde schlecht, mit ihm musste ich einen kurzen Abendspaziergang machen, sonst hätte er wohl über den Tisch gekübelt. Bauchweh hatten wir an dem Abend alle.

Es beschäftigt mich immer noch. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass man freiwillig öfters in das Schnitzelparadies geht. Das ist letzten Endes nur fettige Panade mit Fleischzugabe miesester Qualität. Woher das Fleisch stammt, kann man sich vorstellen, und die Kalorienzahl einer Mahlzeit sollte man sich wohl besser nicht ausrechnen.

Wie kann es sein, dass ein solcher Fraß so erfolgreich sein kann ? Gilt auch beim Essen nur noch „Geiz ist geil“, Hauptsache viel und billig ? Ich finde das ziemlich traurig.








Sonntag, 10. Februar 2013

Sonniger Wintertag




Auch wenn mir der Hundepsaziergang oft lästig ist, weil eigentlich keine Zeit übrig ist, oder ich mal wieder faul bin, so tut die frische Luft einfach immer wieder gut. Ohne Hunde wäre ich heute ganz bestimmt nicht bei eisigen Temperaturen, aber strahlendem Sonnenschein unterwegs gewesen.

Und weil's so schön war, habe ich mir anschließend unter den irritierten Blicken meiner Teenies einen Liegestuhl auf den windgeschützten Südbalkon gestellt und mit Fleecejacke eine Stunde in der wirklich angenehmen Sonne gelesen.

So muss ein Sonntag sein !

Euch allen wünsche ich eine schöne Woche !

Samstag, 9. Februar 2013

Messie


Schon im letzten Jahr gab es Hinweise darauf, dass sich unter meinen Kunden ein Messie befindet. Ein Handwerker musste die Wohnung betreten, was erst nach Einschaltung eines Anwalts und mit erheblichen Drohungen gelang. Dieser Servicetechniker rief mich nach seinem Einsatz vollkommen aufgelöst an und berichtete mir von geradezu unglaublichen Zuständen.

Es gab Gespräche, eindringliche Gespräche. Es gab eine letzte Frist, und tatsächlich kam ein Container. Ich war erleichtert. Der Kunde berichtete mir ausgiebig, dass seine Wohnung geräumt sei, und leider glaubte ich ihm. Der Schutz der Privatsphäre ist mir wichtig, die Unverletzlichkeit der Wohnung ein Grundrecht, und ich hatte ja durch die Containerbestellung einen Grund zu Annahme, dass das schlimmste Chaos beseitigt sein würde. Wie „schön“ und ordentlich oder eben chaotisch jemand wohnt, geht mich nichts an, solange keine Maden ins Treppenhaus kriechen. Daher verzichtete ich auf eine Kontrollbesichtigung der Wohnung.

Bis vor einigen Tagen hatte ich die Angelegenheit abgehakt. Dann aber erzählte mir die Bewohnerin der Wohnung unter dem unordentlichen Herren von seltsamen Rissen in der Zimmerdecke. Ich möge mir das bitte anschauen.

Das war nun ein erhebliches Alarmzeichen vor dem Hintergrund, dass der Messiekunde vor allem Zeitungen hortete. Stapelweise Zeitungen, deckenhoch. Die Fenster können nicht mehr geöffnet werden. Papier ist schwer, Papier in solchen Unmengen kann ein Statikproblem sein. Ich war nun sehr, sehr besorgt.

Um es abzukürzen: Der Kunde gab zu, dass eigentlich nur sein Keller ein wenig geräumt worden war, nicht aber die Wohnung. Mit Unterstützung durch den Anwalt und der Hilfe eines Sozialarbeiters konnte der Zugang erzwungen werden, um mit eigenen Augen grob zu sehen, wie dringend man handeln musste. Denn der Statiker hat selbst in einem eiligen Fall einige Wochen Vorlaufzeit, und der Gedanke an eine durchgebrochene Decke ließ mich nicht mehr schlafen.

Es ist eine Sache, im Fernsehen Messie-Wohnungen zu sehen, aber es fühlt sich komplett anders an, wenn man ganz real zwischen Bergen von Müll steht. Der Kunde, ein an sich seriöser älterer Herr mit einem akademischen Beruf, Single, zurückhaltend, viel auf Reisen, stand verzweifelt zwischen dem ganzen Unrat und stammelte, er habe schon mit dem Aufräumen begonnen, aber das alles seien wichtige Dokumente, das müsse er sortieren, das dauere noch einige Zeit. Wir mussten mit schweren Drohungen verdeutlichen, dass möglicherweise eine Gefahr für das Leben der Nachbarin besteht und wir eine sofortige Räumung fordern. Es wurde ein Termin gesetzt, ich hatte die Adresse eines Entrümpelungsunternehmens dabei und hatte auch schon die Kosten eruiert, mehr können wir momentan nicht tun.

Als der Kunde langatmig erzählte, er müsse auch die alten Zeitungen erst noch durchschauen, wagte ich es, von relativ aktuell scheinenden Stapel, der noch nicht ganz vergilbt und noch nicht deckenhoch war, die oberste Ausgabe zu nehmen.

Sie stammte vom Sommer 2000.

Wir alle hoffen, dass der Kunde nun wirklich räumen lässt, aber unser Optimismus hält sich in Grenzen. Messies können sich von nichts trennen, der Kunde schämt sich zwar offensichtlich, aber er kann den Zustand nicht ändern. Rein rechtlich können wir auch nur sehr schwierig ein Aufräumen erzwingen. Erst muss der Statiker bestätigen, wie gefährlich der Schaden an der Decke ist. Dazu muss der Statiker aber in die Wohnung, und vor allem muss er den Boden sehen. Dieser ist fast vollständig zugemüllt, es gibt nur einen winzigen Schleichweg durch die Wohnung, das „Bett“ des Herrn ist eine Art Kartonstapel . Es ist schrecklich menschenunwürdig, traurig und ja, auch widerlich.

Ich mag diesen Kunden nicht besonders, er ist ein schwieriger Mensch, der sich über alles und jeden beschwert, auch über den Dreck, den Kinder angeblich machen – welche Ironie. Aber trotz der geringen Sympathie tut er mir leid – niemand sollte so vermüllt leben müssen.