Sonntag, 10. Februar 2013
Sonniger Wintertag
Auch wenn mir der Hundepsaziergang oft lästig ist, weil eigentlich keine Zeit übrig ist, oder ich mal wieder faul bin, so tut die frische Luft einfach immer wieder gut. Ohne Hunde wäre ich heute ganz bestimmt nicht bei eisigen Temperaturen, aber strahlendem Sonnenschein unterwegs gewesen.
Und weil's so schön war, habe ich mir anschließend unter den irritierten Blicken meiner Teenies einen Liegestuhl auf den windgeschützten Südbalkon gestellt und mit Fleecejacke eine Stunde in der wirklich angenehmen Sonne gelesen.
So muss ein Sonntag sein !
Euch allen wünsche ich eine schöne Woche !
Samstag, 9. Februar 2013
Messie
Schon im letzten Jahr gab es Hinweise darauf, dass sich unter meinen Kunden ein Messie befindet. Ein Handwerker musste die Wohnung
betreten, was erst nach Einschaltung eines Anwalts und mit erheblichen
Drohungen gelang. Dieser Servicetechniker rief mich nach seinem Einsatz
vollkommen aufgelöst an und berichtete mir von geradezu unglaublichen
Zuständen.
Es gab Gespräche, eindringliche Gespräche. Es gab eine
letzte Frist, und tatsächlich kam ein Container. Ich war erleichtert. Der Kunde
berichtete mir ausgiebig, dass seine Wohnung geräumt sei, und leider glaubte
ich ihm. Der Schutz der Privatsphäre ist mir wichtig, die Unverletzlichkeit der
Wohnung ein Grundrecht, und ich hatte ja durch die Containerbestellung einen
Grund zu Annahme, dass das schlimmste Chaos beseitigt sein würde. Wie „schön“
und ordentlich oder eben chaotisch jemand wohnt, geht mich nichts an, solange
keine Maden ins Treppenhaus kriechen. Daher verzichtete ich auf eine
Kontrollbesichtigung der Wohnung.
Bis vor einigen Tagen hatte ich die Angelegenheit abgehakt.
Dann aber erzählte mir die Bewohnerin der Wohnung unter dem unordentlichen
Herren von seltsamen Rissen in der Zimmerdecke. Ich möge mir das bitte
anschauen.
Das war nun ein erhebliches Alarmzeichen vor dem
Hintergrund, dass der Messiekunde vor allem Zeitungen hortete. Stapelweise
Zeitungen, deckenhoch. Die Fenster können nicht mehr geöffnet werden. Papier
ist schwer, Papier in solchen Unmengen kann ein Statikproblem sein. Ich war nun
sehr, sehr besorgt.
Um es abzukürzen: Der Kunde gab zu, dass eigentlich nur sein
Keller ein wenig geräumt worden war, nicht aber die Wohnung. Mit Unterstützung
durch den Anwalt und der Hilfe eines Sozialarbeiters konnte der Zugang
erzwungen werden, um mit eigenen Augen grob zu sehen, wie dringend man handeln
musste. Denn der Statiker hat selbst in einem eiligen Fall einige Wochen
Vorlaufzeit, und der Gedanke an eine durchgebrochene Decke ließ mich nicht mehr
schlafen.
Es ist eine Sache, im Fernsehen Messie-Wohnungen zu sehen,
aber es fühlt sich komplett anders an, wenn man ganz real zwischen Bergen von
Müll steht. Der Kunde, ein an sich seriöser älterer Herr mit einem akademischen
Beruf, Single, zurückhaltend, viel auf Reisen, stand verzweifelt zwischen dem
ganzen Unrat und stammelte, er habe schon mit dem Aufräumen begonnen, aber das
alles seien wichtige Dokumente, das müsse er sortieren, das dauere noch einige
Zeit. Wir mussten mit schweren Drohungen verdeutlichen, dass möglicherweise eine
Gefahr für das Leben der Nachbarin besteht und wir eine sofortige Räumung
fordern. Es wurde ein Termin gesetzt, ich hatte die Adresse eines Entrümpelungsunternehmens
dabei und hatte auch schon die Kosten eruiert, mehr können wir momentan nicht
tun.
Als der Kunde langatmig erzählte, er müsse auch die alten Zeitungen
erst noch durchschauen, wagte ich es, von relativ aktuell scheinenden Stapel,
der noch nicht ganz vergilbt und noch nicht deckenhoch war, die oberste Ausgabe
zu nehmen.
Sie stammte vom Sommer 2000.
Wir alle hoffen, dass der Kunde nun wirklich räumen lässt,
aber unser Optimismus hält sich in Grenzen. Messies können sich von nichts
trennen, der Kunde schämt sich zwar offensichtlich, aber er kann den Zustand
nicht ändern. Rein rechtlich können wir auch nur sehr schwierig ein Aufräumen
erzwingen. Erst muss der Statiker bestätigen, wie gefährlich der Schaden an der
Decke ist. Dazu muss der Statiker aber in die Wohnung, und vor allem muss er
den Boden sehen. Dieser ist fast vollständig zugemüllt, es gibt nur einen
winzigen Schleichweg durch die Wohnung, das „Bett“ des Herrn ist eine Art
Kartonstapel . Es ist schrecklich menschenunwürdig, traurig und ja, auch widerlich.
Ich mag diesen Kunden nicht besonders, er ist ein schwieriger
Mensch, der sich über alles und jeden beschwert, auch über den Dreck, den
Kinder angeblich machen – welche Ironie. Aber trotz der geringen Sympathie tut
er mir leid – niemand sollte so vermüllt leben müssen.
Mittwoch, 30. Januar 2013
Bewerbungen
Vor fast vier Jahren habe ich den Schritt gewagt, mein
Home-Office zumindest offiziell zu schließen und ein Büro zu mieten. Es war für
mich ein großer Schritt, denn die Miete und die Nebenkosten, die Anschaffung
der Büroausstattung, die andere Organisation des Arbeits- und Familienalltags
und viele Kleinigkeiten waren eine große finanzielle und nervliche
Herausforderung.
Es kamen einige Neukunden dazu, so dass sich die
Investitionen schnell amortisierten, und wenn nicht die privaten Umstände
(Schulgeld *seufz*) gedrängt hätten, hätte ich vermutlich noch einige Zeit auf
erträgliche Weise den Spagat zwischen Job und schwierigen Kindern einigermaßen
geschafft. So aber mussten die Einnahmen langfristig drastisch steigen. Das
klappte, was natürlich sehr erfreulich ist.
Und daher ist nach nur vier Jahren das Büro eigentlich zu
klein, die Arbeitsbelastung grenzwertig, und durch die besonderen Ereignisse
hier im Landkreis, Stichwort Betrug eines Kollegen, waren die letzten zwei
Jahre der helle Wahnsinn.
Es ging nicht mehr anders, ich musste mir eine Sekretärin
suchen. Bisher hatte mir eine freiberuflich tätige Bürokraft ab und zu
geholfen, was praktisch war, weil ohne feste Verpflichtung, aber leider, leider
hat Frau V. inzwischen eine feste Vollzeitstelle angenommen und stand nicht
mehr zur Verfügung.
Ähnlich wie vor vier Jahren war dies ein längerer
Prozess. Ich rechnete und grübelte, von Monat zu Monat ging es ja irgendwie,
aber als ich Anfang des Jahres mit wachsender Verzweiflung die Papierberge
betrachtete, raffte ich mich auf und begann mit der Suche.
Ich wünschte mir eine Bürokraft, die Telefonanrufe
annehmen und relativ einfach Büroarbeiten erledigen konnte. Mehr als einen
Minijob kann ich nicht finanzieren. Als Mutter war für mich völlig klar, dass
ich eine andere Mutter bevorzugt einstellen würde. Wer sonst sucht eine
Teilzeitstelle ?
Mein erster Weg führte mich zur Online-Stellenbörse des
Arbeitsamtes. Eine erste Ernüchterung kam auf. Viele der Stellensuchenden haben
unterirdisch schlechte Profile veröffentlich. Ich hatte ja vermutet, dass der
jeweilige Sachbearbeiter der Stellensuchenden sich das anschaut, aber das ist
sehr offensichtlich nicht der Fall.
Zwei Gesuche machten einen passenden Eindruck, ich
registrierte mich auf dem Portal und kontaktierte die Frauen: eine Dame um die
sechzig, und eine junge Mutter.
Ich wartete ganz aufgeregt, und es kam auch nach Tagen
genau NICHTS.
Schade, aber ich fand dann noch ein interessantes Gesuch
in einem Online-Kleinanzeigenmagazin. Eine Frau bot Bürodienste als
Selbständige an, was mir sehr zusagte. Kein Bürokratiewahnsinn mit der
Minijobzentrale, keine Verpflichtung, das klang gut. Wir telefonierten, die
Frau war am Telefon sympathisch, ich war hoch erfreut.
Um 14.00 Uhr waren wir verabredet. Ich hatte viel Zeit
investiert und ihr die Unterlagen, die sie bearbeiten sollte, genau
vorbereitet, denn sie wollte sofort loslegen.
Und dann wartete ich. Nervös, aber optimistisch.
Dann klingelte das Telefon. Die Bewerberin meinte, sie
sei krank und könne leider nicht kommen. Auf meine Frage hin, warum sie sich
nicht schon früher gemeldet hatte, meinte sie, sie sei so lange beim Arzt gewesen.
Danke, aber wer sich schon beim ersten Termin als so
unzuverlässig erweist, ist nicht geeignet. Das ist die Kurzform, die junge Frau
hatte dann doch noch ein paar eigenwillige Vorstellungen.
Wieder war ich gefrustet.
Als nächsten Versuch gab ich in der Jobbörse der
Arbeitsagentur ein Stellenangebot auf. Ich bemühte mich, genau zu beschreiben,
was ich erwartete, nannte die geplante Arbeitszeit in Stunden und die
Vergütung, setzte einen Link auf meine Homepage und nannte natürlich meinen
Namen, so dass klar war, dass es sich nicht um eine unseriöse Zeitarbeitsfirma
handelte.
Die ersten Bewerbungen kamen innerhalb einer Stunde, und
ich freute mich sehr. Jetzt würde ich ganz sicher jemanden finden.
Weil ich dachte, wer schnell ist, hat auch echtes Interesse,
kontaktierte ich die erste Bewerberin. Ihr Lebenslauf hatte zwar gewisse
Brüche, aber sie schien sympathisch. Nicht ganz nachvollziehbar war mir, warum
eine junge und kinderlose Frau mit abgeschlossener Ausbildung nur wenige
Stunden pro Woche arbeiten möchte, aber die Bewerberin meinte, das würde sie
mir gerne in einem persönlichen Gespräch erklären.
In Ordnung. Vielleicht musste sie die Oma pflegen,
studierte nebenbei, oder was auch immer.
Dann kam noch eine Bewerbung von einer jungen Mutter, die
einen völlig normalen Lebenslauf hatte. Ausbildung, Job, Jobwechsel, Kinder,
und dann viele Jahre eine Teilzeittätigkeit, die meiner Branche sehr nahe kam.
Das klang toll, und ich lud auch diese junge Mutter ein.
Zuerst kam die kinderlose junge Frau. Und mir fehlten die
Worte. Sie wolle das Leben genießen und nicht so viel arbeiten, ein paar
Stunden pro Woche würden ihr reichen. Seit ein paar Monaten schon suche sie
eine Stelle, aber das sei so schwierig, würde sie aber nicht belasten, denn mit
dem Arbeitslosengeld komme sie gut zurecht. Und sie erzählte wortreich, dass
sie als junge Frau sich nicht den Zwängen eines festen Jobs unterwerfen wolle,
sondern reisen, feiern, chillen und das Leben genießen. „Wann, wenn nicht
jetzt, das können Sie sicher verstehen“, meinte sie sehr ernsthaft.
Kurz kam die Mutter in mir durch und ich war versucht,
dem Mädchen die Leviten zu lesen, aber dann konnte ich mich gerade noch
beherrschen. Wir stellten fest, dass wir auch zeitlich nicht zusammenkommen
würden, denn sie hatte sich gedacht, dass sie vor allem Samstags arbeiten
würde, was etwas ungeschickt ist, da sie Kundenanrufe entgegennehmen sollte.
Und sie verstand auch, dass ich jemanden für eine langistige Zusammenarbeit
suche und nicht als Zwischenstation für die nächste längere Reise.
Kein Problem, sie sei mir da nicht böse, es gehe ihr auch
ohne Job gut, meinte die Frau fröhlich. Und zwar ernsthaft fröhlich, ohne den
Hauch eines Bedauerns. Ich dagegen war durchaus angesäuert, denn die Dame hatte
mir dann doch einige Zeit gestohlen.
Bis zu dem Termin mit der jungen Mutter gingen einige
Bewerbungen ein, es wurde richtig arbeitsintensiv, denn ich wollte fair sein
und schaute mir alle Unterlagen sorgfältig an und bemühte mich um eine zeitnahe
Antwort.
Leider wuchs mein Entsetzen. Es bewarben sich kaum
Mütter, sondern vorwiegend junge und kinderlose Frauen mit teilweise
bedrückendem Lebenslauf. Da war die Frau, die unter anderem nur einen Monat bei
einem Supermarkt beschäftigt war und sehr offensichtlich so schlampig
gearbeitet hatte, dass man sie schnellstmöglich gefeuert hatte. Der Rest der Bewerbung
sowie die unglaublich zahlreichen Kurzbeschäftigungen waren zu eindeutig – da hatte
jemand keinerlei Lust auf Arbeit.
Es gab einige Zeugnisse, die jeder Laie sofort verstehen
konnte. Wenn nach einem halben Jahr der Arbeitgeber schreibt, die
Zusammenarbeit sei so kurz gewesen, dass man keine Beurteilung abgeben könne,
und auch das zu den anderen, gerade noch freundlichen Zeugnissen passt, dann wird
das seine Gründe haben.
Die kinderlose Frau um die Vierzig, deren Lebenslauf über
mehrere Seiten ging und die mir wortreich erklärte, warum sie so viele Wechsel
hatte, wird ebenfalls nur schwer eine Stelle finden, denn wie erklärt man, dass
man in diesem Alter noch nie eine Vollzeitstelle innehatte, dafür aber alle zwei
Jahre eine Auszeit im Ausland ?
Die vielen, vielen Fehler in den Anschreiben waren
teilweise schlimm, und ich gebe zu, als ältere Dame finde ich
Online-Bewerbungen mit dem Absender „Susimaus81(at)gmxwebsonstwas.de wirklich
schrecklich. Das ist aber heutzutage so, nur ganz, ganz wenige Bewerberinnen
hatten seriös klingende Mailadis.
Dann kam der Termin mit der jungen Mutter. Seriöse
Mailadi, vollkommen normales Auftreten, keine Tippfehler in der Bewerbung,
sympathisch am Telefon.
Ihr ahnt es sicher – es hat sofort gepasst, die erste
Zusammenarbeit war vielversprechend, und ich hoffe so sehr, dass das eine
langfristige und gute Geschichte wird – ebenso wie die Frau offen sagt, sie sei
wahnsinnig froh über die geringe und flexible Arbeitszeit, weil ihre Kinder
noch so klein sind.
Und so wird nach nur vier Jahren schon wieder alles
anders….
Dienstag, 29. Januar 2013
Vergewaltiger tragen keine Kondome - Petition
Dies gebe ich sehr gerne weiter und habe selbstverständlich bereits unterschrieben:
"Vor kurzem wiesen zwei katholische Kliniken eine vergewaltigte Frau unter dem Hinweis auf die Ethik- Richtlinien des Hauses ab. Die Organisation pro familia bittet Gesundheitsminister Daniel Bahr, die Notfallverhütung an ALLEN deutschen Krankenhäusern sicherzustellen."
Samstag, 12. Januar 2013
Staubsaugroboter - einfach nur genial !
Vor einiger Zeit las ich zufällig von einem interessanten
Haushaltshelfer. Ich bin bekennende Haushalts-Hasserin und befinde mich im
ständigen Kampf gegen den hauseigenen Dreck und meinen inneren Schweinehund.
Eine gute Putzfrau wäre mein Traum, aber erstens habe ich etwas schräge
Erfahrungen mit einer solchen gemacht, zweitens gibt das unser Budget wegen der
Schulkosten gerade nicht her, und drittens geht es ja auch so.
Andererseits bin ich ja neugierig, und als dann als Superschnäppchen zu bekommen war, musste ich zuschlagen:
Wie soll ich das Teil nun beschreiben ?
Es ist rund, arbeitet etwas leiser als ein normaler Staubsauger,
hat auch seitlich kleine Bürsten, mit denen der Dreck aus den Ecken geholt
wird, saugt lässig unseren Zottelteppich im Wohnzimmer, erkennt den Treppenabgang
und stürzt definitiv nicht an, und es redet lustig. In ziemlich vielen Sprachen, darunter auch Finnisch und Chinesisch.
Die Hunde haben den Roboter als seltsamen Mitbewohner
akzeptiert, sie lassen sich provokant von ihm anfahren, und er dreht dann einfach um. Unser
Sockenbestand hat sich wieder erhöht, weil Robo, so heißt er bei uns, auch
unter die Betten kommt und dort längst vergessene Teenagersocken wieder
ausgräbt.
Manchmal hat Robo kleine Probleme, auf die man sich aber
gut einstellen kann. So besiegt er zwar die meisten Kabel, aber er hat sich
auch schon hoffnungslos verheddert. Wenn er das Reinigen der Bürsten fordert,
darf man die Kugellager nicht vergessen, sonst meckert er und die großen Bürsten
fahren sich fest. Das alles ist aber mit ein paar Handgriffen erledigt.
Die echt schwäbische Hausfrau an sich ist eventuell nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis, für uns aber ist dieser Roboter einfach prima. Es
gibt ein paar schmale Stellen, die er aufgrund seiner Größe nicht schafft, aber
dort, wo er hinkommt, macht er total sauber. Inzwischen gibt es sehr viele verschiedene Modelle, ich habe keine Ahnung, ob die luxuriöseren Varianten sich lohnen, uns reicht die eine virtuelle Wand (das ist eine Art Lichtschranke, die er nicht überschreitet), in manchen Haushalten sind zwei virtuelle Wände sicher hilfreich.
Er hat übrigens auch Verwandtschaft, es gibt bereits
einen Wischroboter – auf den spare ich jetzt.
Dienstag, 8. Januar 2013
König Kunde oder Kotzbrocken Kunde ?
© styleuneed - Fotolia.com
Der Jahreswechsel ist in meinem Job immer sehr
anstrengend. Während die meisten „normalen“ Arbeitnehmer zwischen Weihnachten
und Neujahr, oder sogar bis zum 6.1. Urlaub haben, ist hier Großkampfphase.
Vor Weihnachten nimmt mich die Weihnachtspost sehr in
Anspruch. Meine Kunden bekommen immer einen Weihnachtsbrief, hierfür gibt es
übrigens zwei Grundvarianten: Die netten Kunden bekommen einen Zusatz Marke „…verbunden
mit Dank für die angenehme Zusammenarbeit“, die unangenehmen bekommen nur reine
Weihnachts- und Neujahrgrüße. In Einzelfällen ergänze oder ändere ich den Text.
So schreibe ich einer frisch zur Witwe gewordenen älteren Dame natürlich nichts
von fröhlichen Feiertagen, sondern formuliere einen individuellen Text.
Die Zähler der Wasseruhren und die Wärmemesser für das Gas
müssen in dieser Zeit abgelesen werden, Heizölstände muss ich ermitteln, und prüfen,
ob noch irgendwelche Buchungen bis zum 31.12. eines Jahres auf die Kontoauszüge
müssen. Die Ablesungen werde bei fast
allen Objekten von einer separaten Firma erledigt, aber bei ein paar
Altobjekten und bei einigen Häusern, die ich im letzten Jahr von meinem
betrügerischen Kollegen übernommen habe, wird von der Hausverwaltung – also von
mir – abgelesen. Viele Kunden nehmen das als Anlass für ein Schwätzchen, und
das ist bis zu einem gewissen Umfang auch nett, wird aber manchmal sehr
ausufernd, und dann sind die Kunden beleidigt, wenn ich darauf hinweise, dass
ich noch in andere Häuser gehen muss (und, was ich nicht offen sage, eigentlich
wirklich nicht der Ansprechpartner für Eheprobleme, gebrochene Beine, kaputte
Autos oder Familienstreitigkeiten bin…).
Wenn Kunden Urlaub haben, schauen sie sich oft ihre
Unterlagen durch und rufen an, um irgendwelche Dinge zu klären. Das ist ganz
normal, würde ich auch so machen, aber es führt bei mir zu einem deutlich
erhöhten Anrufaufkommen. Die Leute haben inzwischen auch keinerlei Hemmungen
mehr und rufen zu jeder Zeit an: Frühanruferrekord war eine Rentnerin um 6.30
Uhr, Spätanruferrekord ein arbeitsloser Kunde, der sich um 23.00 Uhr seine Nebenkostenabrechnung
erklären lassen wollte, und Samstags oder gar Sonntags kann man es
selbstverständlich auch mal probieren. Ich biete keinen 24-Stunden-Dienst, gehe
aber trotzdem oft außerhalb normaler Zeiten ans Telefon und wundere mich dann
über die zunehmende Unverfrorenheit der Anrufer. Die irritiert nicht einmal,
wenn im Hintergrund meine Familie mit dem Geschirr klappert und ich nicht
zufällig erwähne, dass wir gerade beim Abendessen sitzen, die tratschen
hemmungslos weiter. Natürlich bin ich da auch selbst schuld, ich muss ja nicht
ans Telefon gehen (dieses klingelt parallel im Büro und bei uns daheim).
In den letzten Jahren hat sich die Kundschaft insgesamt
sehr stark verändert. Ich bin nicht allein mit meiner Einschätzung, es fällt
vielen Dienstleistern auf, und gerade hier im Kreis brennt gerade die Luft in
meiner Branche.
Der Kunde ist König. Dazu stehe ich, das ist wirklich
mein Arbeitsprinzip.
Aber ich bin trotzdem nicht der Sklave des Kunden. Preis
und Leistung müssen passen, ich arbeite weder ehrenamtlich noch unter Wert. Ich
lasse mich auch nicht blöd anmachen, ich habe nun einmal das Fachwissen und die
langjährige Erfahrung und weiß, dass auch im Internet falsche Dinge stehen oder
Kunden oft nur einen Ausschnitt sehen und nicht bedenken, dass sie eine andere
Teilungserklärung haben als ihr Bekannter, der Herr Mayer, der sich auskennt,
denn er ist 82 Jahre alt und war mal Verwaltungsbeirat.
Es kommt inzwischen immer wieder vor, dass Kunden
meckern, wenn man nicht innerhalb von zwei Stunden zurückruft. Die Meckerer
sind übrigens immer diejenigen, die extrem viele „Problemchen“ haben. Der
Mülleimer der Nachbarin steht nicht korrekt in der Reihe, die Waschmaschine von
Frau M. war um 22.05 Uhr noch an und hat gestört, die Treppe wurde nicht
ordentlich gewischt, und so weiter.
Unerfreulich ist auch, dass zunehmend Interessenten
versuchen, die Preise zu drücken. In Einzelfällen habe ich mich darauf
eingelassen und vereinbart, dass Zusatzleistungen dafür höher bezahlt werden
müssen. Es kam oft wie befürchtet: genau diese Beiräte, die um jeden Cent
handeln, sind diejenigen, die ständig wegen Kleinkram anrufen. Die sich im Jahr
fünf Einzelbelege überweisen lassen mit jeweils 3,95 € für eine Glühbirne und
vorher anrufen und in epischer Breite erklären, wo sie die blöde Glühbirne
gekauft haben und welcher Aufwand das war. Diese eine Glühbirne kostet mich oft
genug eine Stunde Zeit, und das ist keine Übertreibung !
Meine Branche hat auf dieses veränderte Kundenverhalten
reagiert. Die Preise sind gestiegen, die Verträge wurden angepasst, und bei offensichtlichen
Problemobjekten mache ich wie viele Kollegen nur noch verkürzte Verträge. Erstmals arbeite ich bei neuen Kunden deutlich
distanzierter. Ich lasse nicht mehr zu, dass sie mich so vereinnahmen wie
früher, und ich bremse sofort aus, wenn einer frech wird. Und ich habe mich von
zwei Gemeinschaften getrennt, weil der Aufwand mit denen nicht mehr zu den
Einnahmen passte. Da sollen andere sich herumärgern.
Schade ist das für die netteren Eigentümer in diesen Gemeinschaften,
die gar nichts dafür können, dass ihr Haus irgendwann keinen Verwalter mehr
finden wird. Denn der Wert eines solchen Objekts sinkt bei einem ständigen
Verwalterwechsel auch deutlich, das vergessen die Kotzbrockenkunden oft – oder sie
haben nicht genug Verstand, um das zu bedenken.
Dass Höflichkeit out ist, bestätigen mir übrigens ganz
viele Leute: meine Nachbarin, die als Verkäuferin arbeitet, meine Friseurin,
mein Bänker, und auch Mella kann ein Lied davon singen…
Zum Glück habe ich viele sehr nette Kunden, mit denen ich
seit vielen, vielen Jahren ausgesprochen angenehm zusammenarbeite, und auch bei
den neuen Objekten sind total interessante Menschen dabei. Das entschädigt dann
doch für viel Kundenärger und motiviert mich sehr.
Donnerstag, 27. Dezember 2012
Rückblick - Vorschau
Ich hoffe, ihr alle hattet wunderschöne Weihnachten ! Leider
hat es mir nicht mehr rechtzeitig für ein passendes Posting hier gereicht – ja,
ich schäme mich !
Immerhin schaffe ich es gerade noch, den üblichen Jahresendbeitrag zu
schreiben.
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| © Pixel - Fotolia.com |
Das Jahr 2012 war definitiv eines der verrücktesten Jahre
unseres Lebens.
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| © Daniel Ernst - Fotolia.com |
Anfang des Jahres habe ich ahnungslos einen der bösesten
Menschen weit und breit näher kennengelernt. Ich habe ihn schon vorher nicht
gemocht, er ist arrogant und „unecht“, was aber wirklich für eine Fratze hinter
diesem Pokerface steckt, hätte ich niemals erwartet. Wäre es ein Thriller auf
gedruckten Buchseiten, würde ich die Augen verdrehen, denn SO viel Dreck auf
einmal ist dramaturgisch völlig übertrieben, das gibt es einfach nicht.
Doch, das ist alles echt, und es hört einfach nicht auf.
Pennywise lässt sich nicht einfach von einer kleinen runden Frau in die Suppe
spucken, der muss sich rächen. Aber wie
so oft kam auch in dieser unglaublich schrecklichen Geschichte plötzlich Hilfe
von ganz unerwarteter Seite. Ich mag
naiv sein, aber ich denke tatsächlich, dass das Ende dieses Typens ganz nah ist.
Unsere mittlere Tochter musste am Jahresanfang kurzfristig
und unfreiwillig die Schule wechseln. Es war sehr, sehr hart, aber wir können
mit sehr großer Freude sagen, dass dieser Wechsel das Beste war, was passieren
konnte. Das Kind ist so aufgeblüht wie nie zuvor, wir werden häufig darauf
angesprochen, dass man eine erhebliche Veränderung bemerkt, und ganz nebenbei
sind die Noten einfach nur super. So schwer es uns auch finanziell fällt: dafür
bezahlen wir gerne das Schulgeld.
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| © djama - Fotolia.com |
Das älteste Kind wird im April die schriftliche Abiprüfung
ablegen und wird mit guten Ergebnissen abschließen (nein, du brauchst hierzu
nichts kommentieren, liebe J. !). Wir
freuen uns riesig, dass es so super läuft.
Junior hasst aber die Schule nach wie vor. Schon sein
erster Schultag damals hat ihn nur genervt, und ich sage euch, da zieht sich
jede einzelne Schulwoche mühsam und wie Kaugummi hin. Ich würde ihm so gerne
sein Bauchweh, seine Langeweile und seinen Stress ersparen, aber es geht
einfach nicht.
Mein Kollege, den ich schon letztes Jahr wegen
Unterschlagung anzeigen musste, ist dieses Jahr komplett zusammengebrochen. Es
fehlen riesige Geldbeträge, alle, die ihn kennen, sind vollkommen fassungslos,
wie ausgerechnet er, der wirklich kein affiger Immobilienfuzzi ist, sondern ein
angenehmer und bescheiden auftretender Kollege, solche Betrügereien begehen
kann. Es hat sich leider gezeigt, dass er nicht einfach „nur“ Gelder abgehoben
hat, sondern dass viel kriminelle Energie über viele Jahre vorhanden war.
Durch diese Sache hat es sich ergeben, dass ich gleich
zweimal bei zwei verschiedenen Banken vom obersten Vorstand eingeladen wurde –
sehr spannend, denn ich „komme“ ja als
Fachwirt von der Bank, da ergeben sich wirklich interessante Gesprächsthemen
über den eigentlichen Anlass hinaus. Und so eine Vorstandsetage ist durchaus
beindruckend, mit mehreren Sicherheitsschleusen und einer atemberaubenden
Aussicht.
Es ist übrigens sehr befremdlich, wie langsam und
nachlässig die Staatsanwaltschaft ermittelt. Hätte man den Kollegen kurz nach
meiner Anzeige gestoppt, wäre der Schaden erheblich geringer.
Als Folge des Betrugsfalls haben zahlreiche Eigentümergemeinschaften in großer Not kurzfristig eine neue Verwaltung gesucht. Ich
besetze eine bestimmte Nische, das ist bekannt, und es gibt zwei „Institutionen“,
die mich gerne empfehlen, was mich natürlich sehr freut. In den letzten paar
Monaten aber war es deutlich zu viel. Ich musste Interessenten ablehnen, und
das war manchmal ziemlich hart, weil die Leute wirklich dringend jemanden
brauchen. Einmal wurde mir sogar Geld angeboten, aber es war in diesem Fall
einfach klar, dass ich dieses Objekt weder zeitlich noch nervlich schaffen
würde.
Ein guter Freund von uns hatte einen Herzinfarkt, mit
Anfang fünfzig. Es fühlt sich sehr seltsam an, wenn der Tod plötzlich in der
eigenen Generation anklopft. Unser Freund hat sich wieder gut erholt, aber ich
glaube, für uns alle war das ein sehr dramatischer Einschnitt. Man sollte
besser auf sich aufpassen, und trotzdem ist es im Alltag oft fast unmöglich.
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| © DOC RABE Media - Fotolia.com |
Die Kinder – eigene und die im Freundeskreis – werden erwachsen.
Die Zeit rast unglaublich. Und so, wie die Kinder flügge werden, werden die
eigenen Eltern und Onkel und Tanten alt, brauchen zunehmend Hilfe. Die Themen
haben sich verändert, es geht nun nicht mehr um die Fortschritte des eigenen
Babys, sondern um die Rückschritte der alten Angehörigen und die Frage, wie es
weitergehen soll, wenn Pflege nötig ist. Wer soll das leisten, wer soll das
bezahlen, wie kann man zeitlich überhaupt für einen einsamen alleinstehenden
Angehörigen genug da sein ?
Der Göga und ich haben beide in diesem intensiven Jahr die
gesundheitlichen Folgen gespürt. Die letzten paar Tage bis zu den
Weihnachtsferien waren einfach nur schrecklich. Ich litt dann leider auch noch
unter schweren Schlafstörungen und hatte viele Nächte mit nur drei Stunden
unruhigem Schlaf. Im Dezember erklärte mir eine Kundin mitleidig, ich würde
sehr urlaubsreif aussehen. Und da war ich geschminkt….
Jetzt geht es uns allen wieder besser. Die Feiertage
waren eher ruhig mit relativ wenig Besuch, der Göga arbeitet jetzt schon
wieder, ich nur ein paar Stunden zwischendurch, es sind noch Ferien, und ich
habe zumindest offiziell das Büro geschlossen. Wir schauen optimistisch in das
nächste Jahr, denn 2012 wurde ganz deutlich, dass wir ziemlich zäh sind –
Unkraut vergeht nicht. Es bleibt eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass wir so schlimme
Dinge überstanden haben und insgesamt sehr zufrieden zurückblicken können.
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| © Vladyslav Danilin - Fotolia.com |
Und natürlich haben wir auch aus den Ereignissen des
Jahres gelernt. Beruflich werde ich einiges ändern, werde für Neukunden nicht
mehr diese Rundumbetreuung in allen Lebenslagen bieten. Geübt habe ich das
bereits in den letzten paar Wochen. Wir bemühen uns, die täglichen Schwierigkeiten schon morgens um
6.00 Uhr nicht so sehr an uns heranzulassen. Es wird nun einmal nie „normal“
sein bei uns. Und damit wir bei Kräften bleiben, haben wir im Frühjahr ein paar
Tage im Schwarzwaldhaus gebucht und werden im Sommer wieder nach Dänemark
fahren, juhu !
Euch allen wünsche ich ein tolles, gesundes, glückliches,
fröhliches, erfolgreiches und zufriedenes Jahr 2013 ! Passt auf euch und eure
Lieben auf, genießt viele schöne Momente und schaut ab und zu vorbei !
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