Sonntag, 10. Februar 2013

Sonniger Wintertag




Auch wenn mir der Hundepsaziergang oft lästig ist, weil eigentlich keine Zeit übrig ist, oder ich mal wieder faul bin, so tut die frische Luft einfach immer wieder gut. Ohne Hunde wäre ich heute ganz bestimmt nicht bei eisigen Temperaturen, aber strahlendem Sonnenschein unterwegs gewesen.

Und weil's so schön war, habe ich mir anschließend unter den irritierten Blicken meiner Teenies einen Liegestuhl auf den windgeschützten Südbalkon gestellt und mit Fleecejacke eine Stunde in der wirklich angenehmen Sonne gelesen.

So muss ein Sonntag sein !

Euch allen wünsche ich eine schöne Woche !

Samstag, 9. Februar 2013

Messie


Schon im letzten Jahr gab es Hinweise darauf, dass sich unter meinen Kunden ein Messie befindet. Ein Handwerker musste die Wohnung betreten, was erst nach Einschaltung eines Anwalts und mit erheblichen Drohungen gelang. Dieser Servicetechniker rief mich nach seinem Einsatz vollkommen aufgelöst an und berichtete mir von geradezu unglaublichen Zuständen.

Es gab Gespräche, eindringliche Gespräche. Es gab eine letzte Frist, und tatsächlich kam ein Container. Ich war erleichtert. Der Kunde berichtete mir ausgiebig, dass seine Wohnung geräumt sei, und leider glaubte ich ihm. Der Schutz der Privatsphäre ist mir wichtig, die Unverletzlichkeit der Wohnung ein Grundrecht, und ich hatte ja durch die Containerbestellung einen Grund zu Annahme, dass das schlimmste Chaos beseitigt sein würde. Wie „schön“ und ordentlich oder eben chaotisch jemand wohnt, geht mich nichts an, solange keine Maden ins Treppenhaus kriechen. Daher verzichtete ich auf eine Kontrollbesichtigung der Wohnung.

Bis vor einigen Tagen hatte ich die Angelegenheit abgehakt. Dann aber erzählte mir die Bewohnerin der Wohnung unter dem unordentlichen Herren von seltsamen Rissen in der Zimmerdecke. Ich möge mir das bitte anschauen.

Das war nun ein erhebliches Alarmzeichen vor dem Hintergrund, dass der Messiekunde vor allem Zeitungen hortete. Stapelweise Zeitungen, deckenhoch. Die Fenster können nicht mehr geöffnet werden. Papier ist schwer, Papier in solchen Unmengen kann ein Statikproblem sein. Ich war nun sehr, sehr besorgt.

Um es abzukürzen: Der Kunde gab zu, dass eigentlich nur sein Keller ein wenig geräumt worden war, nicht aber die Wohnung. Mit Unterstützung durch den Anwalt und der Hilfe eines Sozialarbeiters konnte der Zugang erzwungen werden, um mit eigenen Augen grob zu sehen, wie dringend man handeln musste. Denn der Statiker hat selbst in einem eiligen Fall einige Wochen Vorlaufzeit, und der Gedanke an eine durchgebrochene Decke ließ mich nicht mehr schlafen.

Es ist eine Sache, im Fernsehen Messie-Wohnungen zu sehen, aber es fühlt sich komplett anders an, wenn man ganz real zwischen Bergen von Müll steht. Der Kunde, ein an sich seriöser älterer Herr mit einem akademischen Beruf, Single, zurückhaltend, viel auf Reisen, stand verzweifelt zwischen dem ganzen Unrat und stammelte, er habe schon mit dem Aufräumen begonnen, aber das alles seien wichtige Dokumente, das müsse er sortieren, das dauere noch einige Zeit. Wir mussten mit schweren Drohungen verdeutlichen, dass möglicherweise eine Gefahr für das Leben der Nachbarin besteht und wir eine sofortige Räumung fordern. Es wurde ein Termin gesetzt, ich hatte die Adresse eines Entrümpelungsunternehmens dabei und hatte auch schon die Kosten eruiert, mehr können wir momentan nicht tun.

Als der Kunde langatmig erzählte, er müsse auch die alten Zeitungen erst noch durchschauen, wagte ich es, von relativ aktuell scheinenden Stapel, der noch nicht ganz vergilbt und noch nicht deckenhoch war, die oberste Ausgabe zu nehmen.

Sie stammte vom Sommer 2000.

Wir alle hoffen, dass der Kunde nun wirklich räumen lässt, aber unser Optimismus hält sich in Grenzen. Messies können sich von nichts trennen, der Kunde schämt sich zwar offensichtlich, aber er kann den Zustand nicht ändern. Rein rechtlich können wir auch nur sehr schwierig ein Aufräumen erzwingen. Erst muss der Statiker bestätigen, wie gefährlich der Schaden an der Decke ist. Dazu muss der Statiker aber in die Wohnung, und vor allem muss er den Boden sehen. Dieser ist fast vollständig zugemüllt, es gibt nur einen winzigen Schleichweg durch die Wohnung, das „Bett“ des Herrn ist eine Art Kartonstapel . Es ist schrecklich menschenunwürdig, traurig und ja, auch widerlich.

Ich mag diesen Kunden nicht besonders, er ist ein schwieriger Mensch, der sich über alles und jeden beschwert, auch über den Dreck, den Kinder angeblich machen – welche Ironie. Aber trotz der geringen Sympathie tut er mir leid – niemand sollte so vermüllt leben müssen.




Mittwoch, 30. Januar 2013

Bewerbungen

Vor fast vier Jahren habe ich den Schritt gewagt, mein Home-Office zumindest offiziell zu schließen und ein Büro zu mieten. Es war für mich ein großer Schritt, denn die Miete und die Nebenkosten, die Anschaffung der Büroausstattung, die andere Organisation des Arbeits- und Familienalltags und viele Kleinigkeiten waren eine große finanzielle und nervliche Herausforderung.

Es kamen einige Neukunden dazu, so dass sich die Investitionen schnell amortisierten, und wenn nicht die privaten Umstände (Schulgeld *seufz*) gedrängt hätten, hätte ich vermutlich noch einige Zeit auf erträgliche Weise den Spagat zwischen Job und schwierigen Kindern einigermaßen geschafft. So aber mussten die Einnahmen langfristig drastisch steigen. Das klappte, was natürlich sehr erfreulich ist.

Und daher ist nach nur vier Jahren das Büro eigentlich zu klein, die Arbeitsbelastung grenzwertig, und durch die besonderen Ereignisse hier im Landkreis, Stichwort Betrug eines Kollegen, waren die letzten zwei Jahre der helle Wahnsinn.

Es ging nicht mehr anders, ich musste mir eine Sekretärin suchen. Bisher hatte mir eine freiberuflich tätige Bürokraft ab und zu geholfen, was praktisch war, weil ohne feste Verpflichtung, aber leider, leider hat Frau V. inzwischen eine feste Vollzeitstelle angenommen und stand nicht mehr zur Verfügung.

Ähnlich wie vor vier Jahren war dies ein längerer Prozess. Ich rechnete und grübelte, von Monat zu Monat ging es ja irgendwie, aber als ich Anfang des Jahres mit wachsender Verzweiflung die Papierberge betrachtete, raffte ich mich auf und begann mit der Suche.

Ich wünschte mir eine Bürokraft, die Telefonanrufe annehmen und relativ einfach Büroarbeiten erledigen konnte. Mehr als einen Minijob kann ich nicht finanzieren. Als Mutter war für mich völlig klar, dass ich eine andere Mutter bevorzugt einstellen würde. Wer sonst sucht eine Teilzeitstelle ?

Mein erster Weg führte mich zur Online-Stellenbörse des Arbeitsamtes. Eine erste Ernüchterung kam auf. Viele der Stellensuchenden haben unterirdisch schlechte Profile veröffentlich. Ich hatte ja vermutet, dass der jeweilige Sachbearbeiter der Stellensuchenden sich das anschaut, aber das ist sehr offensichtlich nicht der Fall.

Zwei Gesuche machten einen passenden Eindruck, ich registrierte mich auf dem Portal und kontaktierte die Frauen: eine Dame um die sechzig, und eine junge Mutter.

Ich wartete ganz aufgeregt, und es kam auch nach Tagen genau NICHTS.

Schade, aber ich fand dann noch ein interessantes Gesuch in einem Online-Kleinanzeigenmagazin. Eine Frau bot Bürodienste als Selbständige an, was mir sehr zusagte. Kein Bürokratiewahnsinn mit der Minijobzentrale, keine Verpflichtung, das klang gut. Wir telefonierten, die Frau war am Telefon sympathisch, ich war hoch erfreut.

Um 14.00 Uhr waren wir verabredet. Ich hatte viel Zeit investiert und ihr die Unterlagen, die sie bearbeiten sollte, genau vorbereitet, denn sie wollte sofort loslegen.

Und dann wartete ich. Nervös, aber optimistisch.

Dann klingelte das Telefon. Die Bewerberin meinte, sie sei krank und könne leider nicht kommen. Auf meine Frage hin, warum sie sich nicht schon früher gemeldet hatte, meinte sie, sie sei so lange beim Arzt gewesen.

Danke, aber wer sich schon beim ersten Termin als so unzuverlässig erweist, ist nicht geeignet. Das ist die Kurzform, die junge Frau hatte dann doch noch ein paar eigenwillige Vorstellungen.

Wieder war ich gefrustet.

Als nächsten Versuch gab ich in der Jobbörse der Arbeitsagentur ein Stellenangebot auf. Ich bemühte mich, genau zu beschreiben, was ich erwartete, nannte die geplante Arbeitszeit in Stunden und die Vergütung, setzte einen Link auf meine Homepage und nannte natürlich meinen Namen, so dass klar war, dass es sich nicht um eine unseriöse Zeitarbeitsfirma handelte.

Die ersten Bewerbungen kamen innerhalb einer Stunde, und ich freute mich sehr. Jetzt würde ich ganz sicher jemanden finden.

Weil ich dachte, wer schnell ist, hat auch echtes Interesse, kontaktierte ich die erste Bewerberin. Ihr Lebenslauf hatte zwar gewisse Brüche, aber sie schien sympathisch. Nicht ganz nachvollziehbar war mir, warum eine junge und kinderlose Frau mit abgeschlossener Ausbildung nur wenige Stunden pro Woche arbeiten möchte, aber die Bewerberin meinte, das würde sie mir gerne in einem persönlichen Gespräch erklären.

In Ordnung. Vielleicht musste sie die Oma pflegen, studierte nebenbei, oder was auch immer.

Dann kam noch eine Bewerbung von einer jungen Mutter, die einen völlig normalen Lebenslauf hatte. Ausbildung, Job, Jobwechsel, Kinder, und dann viele Jahre eine Teilzeittätigkeit, die meiner Branche sehr nahe kam. Das klang toll, und ich lud auch diese junge Mutter ein.

Zuerst kam die kinderlose junge Frau. Und mir fehlten die Worte. Sie wolle das Leben genießen und nicht so viel arbeiten, ein paar Stunden pro Woche würden ihr reichen. Seit ein paar Monaten schon suche sie eine Stelle, aber das sei so schwierig, würde sie aber nicht belasten, denn mit dem Arbeitslosengeld komme sie gut zurecht. Und sie erzählte wortreich, dass sie als junge Frau sich nicht den Zwängen eines festen Jobs unterwerfen wolle, sondern reisen, feiern, chillen und das Leben genießen. „Wann, wenn nicht jetzt, das können Sie sicher verstehen“, meinte sie sehr ernsthaft.

Kurz kam die Mutter in mir durch und ich war versucht, dem Mädchen die Leviten zu lesen, aber dann konnte ich mich gerade noch beherrschen. Wir stellten fest, dass wir auch zeitlich nicht zusammenkommen würden, denn sie hatte sich gedacht, dass sie vor allem Samstags arbeiten würde, was etwas ungeschickt ist, da sie Kundenanrufe entgegennehmen sollte. Und sie verstand auch, dass ich jemanden für eine langistige Zusammenarbeit suche und nicht als Zwischenstation für die nächste längere Reise.

Kein Problem, sie sei mir da nicht böse, es gehe ihr auch ohne Job gut, meinte die Frau fröhlich. Und zwar ernsthaft fröhlich, ohne den Hauch eines Bedauerns. Ich dagegen war durchaus angesäuert, denn die Dame hatte mir dann doch einige Zeit gestohlen.

Bis zu dem Termin mit der jungen Mutter gingen einige Bewerbungen ein, es wurde richtig arbeitsintensiv, denn ich wollte fair sein und schaute mir alle Unterlagen sorgfältig an und bemühte mich um eine zeitnahe Antwort.

Leider wuchs mein Entsetzen. Es bewarben sich kaum Mütter, sondern vorwiegend junge und kinderlose Frauen mit teilweise bedrückendem Lebenslauf. Da war die Frau, die unter anderem nur einen Monat bei einem Supermarkt beschäftigt war und sehr offensichtlich so schlampig gearbeitet hatte, dass man sie schnellstmöglich gefeuert hatte. Der Rest der Bewerbung sowie die unglaublich zahlreichen Kurzbeschäftigungen waren zu eindeutig – da hatte jemand keinerlei Lust auf Arbeit.

Es gab einige Zeugnisse, die jeder Laie sofort verstehen konnte. Wenn nach einem halben Jahr der Arbeitgeber schreibt, die Zusammenarbeit sei so kurz gewesen, dass man keine Beurteilung abgeben könne, und auch das zu den anderen, gerade noch freundlichen Zeugnissen passt, dann wird das seine Gründe haben.

Die kinderlose Frau um die Vierzig, deren Lebenslauf über mehrere Seiten ging und die mir wortreich erklärte, warum sie so viele Wechsel hatte, wird ebenfalls nur schwer eine Stelle finden, denn wie erklärt man, dass man in diesem Alter noch nie eine Vollzeitstelle innehatte, dafür aber alle zwei Jahre eine Auszeit im Ausland ?

Die vielen, vielen Fehler in den Anschreiben waren teilweise schlimm, und ich gebe zu, als ältere Dame finde ich Online-Bewerbungen mit dem Absender „Susimaus81(at)gmxwebsonstwas.de wirklich schrecklich. Das ist aber heutzutage so, nur ganz, ganz wenige Bewerberinnen hatten seriös klingende Mailadis.

Dann kam der Termin mit der jungen Mutter. Seriöse Mailadi, vollkommen normales Auftreten, keine Tippfehler in der Bewerbung, sympathisch am Telefon.

Ihr ahnt es sicher – es hat sofort gepasst, die erste Zusammenarbeit war vielversprechend, und ich hoffe so sehr, dass das eine langfristige und gute Geschichte wird – ebenso wie die Frau offen sagt, sie sei wahnsinnig froh über die geringe und flexible Arbeitszeit, weil ihre Kinder noch so klein sind.

Und so wird nach nur vier Jahren schon wieder alles anders….









Dienstag, 29. Januar 2013

Vergewaltiger tragen keine Kondome - Petition


Dies gebe ich sehr gerne weiter und habe selbstverständlich bereits unterschrieben:

"Vor kurzem wiesen zwei katholische Kliniken eine vergewaltigte Frau unter dem Hinweis auf die Ethik- Richtlinien des Hauses ab. Die Organisation pro familia bittet Gesundheitsminister Daniel Bahr, die Notfallverhütung an ALLEN deutschen Krankenhäusern sicherzustellen."


Samstag, 12. Januar 2013

Staubsaugroboter - einfach nur genial !

Vor einiger Zeit las ich zufällig von einem interessanten Haushaltshelfer. Ich bin bekennende Haushalts-Hasserin und befinde mich im ständigen Kampf gegen den hauseigenen Dreck und meinen inneren Schweinehund. Eine gute Putzfrau wäre mein Traum, aber erstens habe ich etwas schräge Erfahrungen mit einer solchen gemacht, zweitens gibt das unser Budget wegen der Schulkosten gerade nicht her, und drittens geht es ja auch so.

Andererseits bin ich ja neugierig, und als dann als Superschnäppchen zu bekommen war, musste ich zuschlagen:





Wie soll ich das Teil nun beschreiben ?

Es ist rund, arbeitet etwas leiser als ein normaler Staubsauger, hat auch seitlich kleine Bürsten, mit denen der Dreck aus den Ecken geholt wird, saugt lässig unseren Zottelteppich im Wohnzimmer, erkennt den Treppenabgang und stürzt definitiv nicht an, und es redet lustig. In ziemlich vielen Sprachen, darunter auch Finnisch und Chinesisch.

Die Hunde haben den Roboter als seltsamen Mitbewohner akzeptiert, sie lassen sich provokant von ihm anfahren, und er dreht dann einfach um. Unser Sockenbestand hat sich wieder erhöht, weil Robo, so heißt er bei uns, auch unter die Betten kommt und dort längst vergessene Teenagersocken wieder ausgräbt.

Manchmal hat Robo kleine Probleme, auf die man sich aber gut einstellen kann. So besiegt er zwar die meisten Kabel, aber er hat sich auch schon hoffnungslos verheddert. Wenn er das Reinigen der Bürsten fordert, darf man die Kugellager nicht vergessen, sonst meckert er und die großen Bürsten fahren sich fest. Das alles ist aber mit ein paar Handgriffen erledigt.

Die echt schwäbische Hausfrau an sich ist eventuell nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis, für uns aber ist dieser Roboter einfach prima. Es gibt ein paar schmale Stellen, die er aufgrund seiner Größe nicht schafft, aber dort, wo er hinkommt, macht er total sauber. Inzwischen gibt es sehr viele verschiedene Modelle, ich habe keine Ahnung, ob die luxuriöseren Varianten sich lohnen, uns reicht die eine virtuelle Wand (das ist eine Art Lichtschranke, die er nicht überschreitet), in manchen Haushalten sind zwei virtuelle Wände sicher hilfreich.

Er hat übrigens auch Verwandtschaft, es gibt bereits einen Wischroboter – auf den spare ich jetzt.


Dienstag, 8. Januar 2013

König Kunde oder Kotzbrocken Kunde ?


© styleuneed - Fotolia.com

Der Jahreswechsel ist in meinem Job immer sehr anstrengend. Während die meisten „normalen“ Arbeitnehmer zwischen Weihnachten und Neujahr, oder sogar bis zum 6.1. Urlaub haben, ist hier Großkampfphase.

Vor Weihnachten nimmt mich die Weihnachtspost sehr in Anspruch. Meine Kunden bekommen immer einen Weihnachtsbrief, hierfür gibt es übrigens zwei Grundvarianten: Die netten Kunden bekommen einen Zusatz Marke „…verbunden mit Dank für die angenehme Zusammenarbeit“, die unangenehmen bekommen nur reine Weihnachts- und Neujahrgrüße. In Einzelfällen ergänze oder ändere ich den Text. So schreibe ich einer frisch zur Witwe gewordenen älteren Dame natürlich nichts von fröhlichen Feiertagen, sondern formuliere einen individuellen Text.

Die Zähler der Wasseruhren und die Wärmemesser für das Gas müssen in dieser Zeit abgelesen werden, Heizölstände muss ich ermitteln, und prüfen, ob noch irgendwelche Buchungen bis zum 31.12. eines Jahres auf die Kontoauszüge müssen.  Die Ablesungen werde bei fast allen Objekten von einer separaten Firma erledigt, aber bei ein paar Altobjekten und bei einigen Häusern, die ich im letzten Jahr von meinem betrügerischen Kollegen übernommen habe, wird von der Hausverwaltung – also von mir – abgelesen. Viele Kunden nehmen das als Anlass für ein Schwätzchen, und das ist bis zu einem gewissen Umfang auch nett, wird aber manchmal sehr ausufernd, und dann sind die Kunden beleidigt, wenn ich darauf hinweise, dass ich noch in andere Häuser gehen muss (und, was ich nicht offen sage, eigentlich wirklich nicht der Ansprechpartner für Eheprobleme, gebrochene Beine, kaputte Autos oder Familienstreitigkeiten bin…).

Wenn Kunden Urlaub haben, schauen sie sich oft ihre Unterlagen durch und rufen an, um irgendwelche Dinge zu klären. Das ist ganz normal, würde ich auch so machen, aber es führt bei mir zu einem deutlich erhöhten Anrufaufkommen. Die Leute haben inzwischen auch keinerlei Hemmungen mehr und rufen zu jeder Zeit an: Frühanruferrekord war eine Rentnerin um 6.30 Uhr, Spätanruferrekord ein arbeitsloser Kunde, der sich um 23.00 Uhr seine Nebenkostenabrechnung erklären lassen wollte, und Samstags oder gar Sonntags kann man es selbstverständlich auch mal probieren. Ich biete keinen 24-Stunden-Dienst, gehe aber trotzdem oft außerhalb normaler Zeiten ans Telefon und wundere mich dann über die zunehmende Unverfrorenheit der Anrufer. Die irritiert nicht einmal, wenn im Hintergrund meine Familie mit dem Geschirr klappert und ich nicht zufällig erwähne, dass wir gerade beim Abendessen sitzen, die tratschen hemmungslos weiter. Natürlich bin ich da auch selbst schuld, ich muss ja nicht ans Telefon gehen (dieses klingelt parallel im Büro und bei uns daheim).

In den letzten Jahren hat sich die Kundschaft insgesamt sehr stark verändert. Ich bin nicht allein mit meiner Einschätzung, es fällt vielen Dienstleistern auf, und gerade hier im Kreis brennt gerade die Luft in meiner Branche.

Der Kunde ist König. Dazu stehe ich, das ist wirklich mein Arbeitsprinzip.

Aber ich bin trotzdem nicht der Sklave des Kunden. Preis und Leistung müssen passen, ich arbeite weder ehrenamtlich noch unter Wert. Ich lasse mich auch nicht blöd anmachen, ich habe nun einmal das Fachwissen und die langjährige Erfahrung und weiß, dass auch im Internet falsche Dinge stehen oder Kunden oft nur einen Ausschnitt sehen und nicht bedenken, dass sie eine andere Teilungserklärung haben als ihr Bekannter, der Herr Mayer, der sich auskennt, denn er ist 82 Jahre alt und war mal Verwaltungsbeirat.

Es kommt inzwischen immer wieder vor, dass Kunden meckern, wenn man nicht innerhalb von zwei Stunden zurückruft. Die Meckerer sind übrigens immer diejenigen, die extrem viele „Problemchen“ haben. Der Mülleimer der Nachbarin steht nicht korrekt in der Reihe, die Waschmaschine von Frau M. war um 22.05 Uhr noch an und hat gestört, die Treppe wurde nicht ordentlich gewischt, und so weiter.

Unerfreulich ist auch, dass zunehmend Interessenten versuchen, die Preise zu drücken. In Einzelfällen habe ich mich darauf eingelassen und vereinbart, dass Zusatzleistungen dafür höher bezahlt werden müssen. Es kam oft wie befürchtet: genau diese Beiräte, die um jeden Cent handeln, sind diejenigen, die ständig wegen Kleinkram anrufen. Die sich im Jahr fünf Einzelbelege überweisen lassen mit jeweils 3,95 € für eine Glühbirne und vorher anrufen und in epischer Breite erklären, wo sie die blöde Glühbirne gekauft haben und welcher Aufwand das war. Diese eine Glühbirne kostet mich oft genug eine Stunde Zeit, und das ist keine Übertreibung !

Meine Branche hat auf dieses veränderte Kundenverhalten reagiert. Die Preise sind gestiegen, die Verträge wurden angepasst, und bei offensichtlichen Problemobjekten mache ich wie viele Kollegen nur noch verkürzte Verträge.  Erstmals arbeite ich bei neuen Kunden deutlich distanzierter. Ich lasse nicht mehr zu, dass sie mich so vereinnahmen wie früher, und ich bremse sofort aus, wenn einer frech wird. Und ich habe mich von zwei Gemeinschaften getrennt, weil der Aufwand mit denen nicht mehr zu den Einnahmen passte. Da sollen andere sich herumärgern.

Schade ist das für die netteren Eigentümer in diesen Gemeinschaften, die gar nichts dafür können, dass ihr Haus irgendwann keinen Verwalter mehr finden wird. Denn der Wert eines solchen Objekts sinkt bei einem ständigen Verwalterwechsel auch deutlich, das vergessen die Kotzbrockenkunden oft – oder sie haben nicht genug Verstand, um das zu bedenken.

Dass Höflichkeit out ist, bestätigen mir übrigens ganz viele Leute: meine Nachbarin, die als Verkäuferin arbeitet, meine Friseurin, mein Bänker, und auch Mella kann ein Lied davon singen…

Zum Glück habe ich viele sehr nette Kunden, mit denen ich seit vielen, vielen Jahren ausgesprochen angenehm zusammenarbeite, und auch bei den neuen Objekten sind total interessante Menschen dabei. Das entschädigt dann doch für viel Kundenärger und motiviert mich sehr.


Donnerstag, 27. Dezember 2012

Rückblick - Vorschau


Ich hoffe, ihr alle hattet wunderschöne Weihnachten ! Leider hat es mir nicht mehr rechtzeitig für ein passendes Posting hier gereicht – ja, ich schäme mich !

Immerhin schaffe ich es gerade noch, den üblichen Jahresendbeitrag zu schreiben.
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Das Jahr 2012 war definitiv eines der verrücktesten Jahre unseres Lebens.

© Daniel Ernst - Fotolia.com


Anfang des Jahres habe ich ahnungslos einen der bösesten Menschen weit und breit näher kennengelernt. Ich habe ihn schon vorher nicht gemocht, er ist arrogant und „unecht“, was aber wirklich für eine Fratze hinter diesem Pokerface steckt, hätte ich niemals erwartet. Wäre es ein Thriller auf gedruckten Buchseiten, würde ich die Augen verdrehen, denn SO viel Dreck auf einmal ist dramaturgisch völlig übertrieben, das gibt es einfach nicht.

Doch, das ist alles echt, und es hört einfach nicht auf. Pennywise lässt sich nicht einfach von einer kleinen runden Frau in die Suppe spucken, der muss sich rächen.  Aber wie so oft kam auch in dieser unglaublich schrecklichen Geschichte plötzlich Hilfe von ganz unerwarteter Seite.  Ich mag naiv sein, aber ich denke tatsächlich, dass das Ende dieses Typens ganz nah ist.

Unsere mittlere Tochter musste am Jahresanfang kurzfristig und unfreiwillig die Schule wechseln. Es war sehr, sehr hart, aber wir können mit sehr großer Freude sagen, dass dieser Wechsel das Beste war, was passieren konnte. Das Kind ist so aufgeblüht wie nie zuvor, wir werden häufig darauf angesprochen, dass man eine erhebliche Veränderung bemerkt, und ganz nebenbei sind die Noten einfach nur super. So schwer es uns auch finanziell fällt: dafür bezahlen wir gerne das Schulgeld.

© djama - Fotolia.com


Das älteste Kind wird im April die schriftliche Abiprüfung ablegen und wird mit guten Ergebnissen abschließen (nein, du brauchst hierzu nichts kommentieren, liebe J. !).  Wir freuen uns riesig, dass es so super läuft.

Junior hasst aber die Schule nach wie vor. Schon sein erster Schultag damals hat ihn nur genervt, und ich sage euch, da zieht sich jede einzelne Schulwoche mühsam und wie Kaugummi hin. Ich würde ihm so gerne sein Bauchweh, seine Langeweile und seinen Stress ersparen, aber es geht einfach nicht.

Mein Kollege, den ich schon letztes Jahr wegen Unterschlagung anzeigen musste, ist dieses Jahr komplett zusammengebrochen. Es fehlen riesige Geldbeträge, alle, die ihn kennen, sind vollkommen fassungslos, wie ausgerechnet er, der wirklich kein affiger Immobilienfuzzi ist, sondern ein angenehmer und bescheiden auftretender Kollege, solche Betrügereien begehen kann. Es hat sich leider gezeigt, dass er nicht einfach „nur“ Gelder abgehoben hat, sondern dass viel kriminelle Energie über viele Jahre vorhanden war.

Durch diese Sache hat es sich ergeben, dass ich gleich zweimal bei zwei verschiedenen Banken vom obersten Vorstand eingeladen wurde – sehr spannend,  denn ich „komme“ ja als Fachwirt von der Bank, da ergeben sich wirklich interessante Gesprächsthemen über den eigentlichen Anlass hinaus. Und so eine Vorstandsetage ist durchaus beindruckend, mit mehreren Sicherheitsschleusen und einer atemberaubenden Aussicht.

Es ist übrigens sehr befremdlich, wie langsam und nachlässig die Staatsanwaltschaft ermittelt. Hätte man den Kollegen kurz nach meiner Anzeige gestoppt, wäre der Schaden erheblich geringer.

Als Folge des Betrugsfalls haben zahlreiche Eigentümergemeinschaften in großer Not kurzfristig eine neue Verwaltung gesucht. Ich besetze eine bestimmte Nische, das ist bekannt, und es gibt zwei „Institutionen“, die mich gerne empfehlen, was mich natürlich sehr freut. In den letzten paar Monaten aber war es deutlich zu viel. Ich musste Interessenten ablehnen, und das war manchmal ziemlich hart, weil die Leute wirklich dringend jemanden brauchen. Einmal wurde mir sogar Geld angeboten, aber es war in diesem Fall einfach klar, dass ich dieses Objekt weder zeitlich noch nervlich schaffen würde.

Ein guter Freund von uns hatte einen Herzinfarkt, mit Anfang fünfzig. Es fühlt sich sehr seltsam an, wenn der Tod plötzlich in der eigenen Generation anklopft. Unser Freund hat sich wieder gut erholt, aber ich glaube, für uns alle war das ein sehr dramatischer Einschnitt. Man sollte besser auf sich aufpassen, und trotzdem ist es im Alltag oft fast unmöglich.

© DOC RABE Media - Fotolia.com


Die Kinder – eigene und die im Freundeskreis – werden erwachsen. Die Zeit rast unglaublich. Und so, wie die Kinder flügge werden, werden die eigenen Eltern und Onkel und Tanten alt, brauchen zunehmend Hilfe. Die Themen haben sich verändert, es geht nun nicht mehr um die Fortschritte des eigenen Babys, sondern um die Rückschritte der alten Angehörigen und die Frage, wie es weitergehen soll, wenn Pflege nötig ist. Wer soll das leisten, wer soll das bezahlen, wie kann man zeitlich überhaupt für einen einsamen alleinstehenden Angehörigen genug da sein ?

Der Göga und ich haben beide in diesem intensiven Jahr die gesundheitlichen Folgen gespürt. Die letzten paar Tage bis zu den Weihnachtsferien waren einfach nur schrecklich. Ich litt dann leider auch noch unter schweren Schlafstörungen und hatte viele Nächte mit nur drei Stunden unruhigem Schlaf. Im Dezember erklärte mir eine Kundin mitleidig, ich würde sehr urlaubsreif aussehen. Und da war ich geschminkt….

Jetzt geht es uns allen wieder besser. Die Feiertage waren eher ruhig mit relativ wenig Besuch, der Göga arbeitet jetzt schon wieder, ich nur ein paar Stunden zwischendurch, es sind noch Ferien, und ich habe zumindest offiziell das Büro geschlossen. Wir schauen optimistisch in das nächste Jahr, denn 2012 wurde ganz deutlich, dass wir ziemlich zäh sind – Unkraut vergeht nicht. Es bleibt eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass wir so schlimme Dinge überstanden haben und insgesamt sehr zufrieden zurückblicken können.

© Vladyslav Danilin - Fotolia.com


Und natürlich haben wir auch aus den Ereignissen des Jahres gelernt. Beruflich werde ich einiges ändern, werde für Neukunden nicht mehr diese Rundumbetreuung in allen Lebenslagen bieten. Geübt habe ich das bereits in den letzten paar Wochen. Wir bemühen uns, die  täglichen Schwierigkeiten schon morgens um 6.00 Uhr nicht so sehr an uns heranzulassen. Es wird nun einmal nie „normal“ sein bei uns. Und damit wir bei Kräften bleiben, haben wir im Frühjahr ein paar Tage im Schwarzwaldhaus gebucht und werden im Sommer wieder nach Dänemark fahren, juhu !




Euch allen wünsche ich ein tolles, gesundes, glückliches, fröhliches, erfolgreiches und zufriedenes Jahr 2013 ! Passt auf euch und eure Lieben auf, genießt viele schöne Momente und schaut ab und zu vorbei !