Dienstag, 29. September 2009

Wirtschaftskrise

Die Putzfrauensuche hat uns lange beschäftigt, weit über die Putzerei an sich.

Ich hatte eine Kleinanzeige aufgegeben für Kunden – alle zwei Wochen soll ein Treppenhaus und ein bisschen Kleinkram im Haus geputzt werden. Es war eigentlich klar, dass es sich um eine klitzekleine Tätigkeit handelt.

Mittwochs ist die Anzeige erschienen.

Dienstags klingelte schon abends das Telefon mit der ersten Bewerberin. Und dann Mittwochs ab acht Uhr, zeitweise im Minutentakt, bis in die frühen Abendstunden. Dito noch am Donnerstag, dann erst wurde es weniger, aber selbst heute, fast eine Woche nach dem Erscheinen der Anzeige, rief noch jemand an. Es war der helle Wahnsinn.

Das Dauerklingeln – Büro und daheim sind parallel geschaltet – nervte irgendwann sehr. Vor allem aber wurde ich immer ratloser, wem ich denn die Stelle geben sollte.

Ungefähr ein Drittel der Anrufer schied gleich aus. Teilweise wollten die Leute nur schwarz arbeiten, was ich auf keinen Fall dulden kann, weil die Eigentümergemeinschaft und ich als Verwalter in Schwierigkeiten kämen. Muss nicht sein, und bei einem so kleinen Minijob kann man die Nebenkosten nun wirklich vernachlässigen. Der bürokratische Aufwand dagegen ist extrem, aber das ist ein anderes Thema.

Ein anderer Teil des ganz schlechten Drittels war nicht in der Lage, sich auch nur ansatzweise verständlich zu machen. Natürlich muss man für einen Putzjob nicht unbedingt fließend deutsch sprechen können, aber wenn die Kommunikation fast unmöglich ist, dann reicht die Qualifikation nicht einmal zum Putzen. Und ich empfehle dringend einen Deutschkurs, ich verstehe einfach nicht, warum man hier leben will, aber fast null Sprachkenntnisse hat und auch kein Interesse an der Erlangung selbiger.

Ein Drittel der Anrufer war ganz nett, wohnte aber zu weit weg, wollte dann doch mehr Stunden arbeiten, obwohl die Anzeige eigentlich eindeutig war, oder rief schlicht zu spät an. Wenn Mittwochs eine Anzeige erscheint, dann ist so ein Job am Donnerstag ganz sicher schon vergeben.

Ein Drittel der Anrufer war wahnsinnig engagiert und wollte den Job unbedingt. Selbst als ich sagte, es ginge nicht, wurde mit mir diskutiert, ob ich nicht doch eine Chance geben könnte, man würde auch ganz sicher supertoll putzen. Die Verzweiflung war unüberhörbar, und mein Bedauern sehr groß, dass ich wirklich nur einer einzigen Person diese klitzekleine Stelle geben kann.

Ich hatte den Eindruck, dass die Anrufer aus allen „Schichten“ und aus allen Altersklassen kamen. Vor einigen Jahren haben sich auf eine solche Anzeige überwiegend Hausfrauen mit kleinen Kindern und Frauen mit niedrigster oder gar keiner beruflichen Qualifikation gemeldet. Diesmal waren einige dabei, die ganz sicher mehr auf dem Kasten haben als „nur“ zu putzen. „Nur“ in fetten Anführungszeichen, eine gute Putzfrau ist Gold wert, und im übrigen finde ich, dass es hoch anzurechnen ist, wenn jemand, für den es gerade keine andere Einnahmequelle gibt, putzen geht, anstatt auf der Couch zu sitzen und zu jammern.

Erschreckend, sehr erschreckend. Meine Kinder bekamen teilweise die Gespräche mit und waren ebenso betroffen über diese große Not. Wirtschaftskrise live.

Sonntag, 20. September 2009

Schweinegrippe für Schwaben

Der Medienhype um das Thema „Schweinegrippe“ ging und geht mir ziemlich auf den Geist. Man weiß inzwischen, dass bei Nicht-Risikopatienten der Verlauf meistens sehr mild ist, und irgend eine Grippe an sich geht jeden Herbst herum, also versuche ich, ruhig zu bleiben trotz einer gewissen Neigung zu Überbesorgnis.

Trotzdem wurden unsere Hygienemassnahmen seit dem ersten Schweinegrippenfall hier im Landkreis dahingehend verstärkt, dass die Kinder etwas strenger zum Händewaschen nach der Schule verdonnert wurden – da diente die Grippewelle als pädagogischer Steigbügel.

Am Freitag fuhren wir nachmittags zu unserem Äckerle und begruben die tote Franzi. Auf dem Rückweg standen ein paar Erledigungen an, unter anderem Kleinkram aus dem Baumarkt hier am Ort. Mitten im Baumarkt fing mein Mann plötzlich an zu schwitzen, wurde kreidebleich und drängte darauf, dass wir schnellstens heimfuhren. Daheim legte er sich sofort hin, übergab sich später noch heftig und fiel wieder schwitzend in komatösen Schlaf.

Dieser Mann ist nie krank, wirklich, bis auf Schnupfen oder mal Kopfweh hat er nie irgendwelche Krankheiten.

Ich nahm leicht besorgt das Merkblatt, das alle Schüler letzte Woche über das Gesundheitsamt bekommen hatten, zur Hand und las es etwas gründlicher. Wichtige Symptome: Schweres Krankheitsgefühl (hatte mein Mann), Kopfschmerzen (dito), Übelkeit (dito), Fieber (war noch unklar, aber er schwitze ja sehr stark).

Tanta Gugel lieferte immerhin die beruhigende Info, dass Ärzte nicht sofort Medikamente verschreiben sollen, sondern dies von der Schwere der Erkrankung abhängt, zudem ein milder Verlauf wahrscheinlich ist, so dass keine Eile nötig war. Der Drogeriemarkt hatte noch geöffnet, ich versorgte mich mit Desinfektionsputzmittel, putzte „mal eben“ durch und beruhigte die Kinder und mich: Nein, Schweinegrippe wird nur hochgepuscht, alles halb so wild.

Hoffentlich.

Kurz vor Mitternacht, Göga lag noch immer nicht wirklich ansprechbar im Bett, aber eine Temperaturmessung hatte immerhin kein Fieber ergeben. Da wankte meine Älteste ins Wohnzimmer. Kreidebleich, stark schwitzend, die Hände am Bauch vor lauter Übelkeit – deutlich krank. Und eigentlich war mir auch schon ganz schlecht.

Die Nacht war daher für Krankenschwester Sylvia eher kurz, der Samstagmorgen hier im Hause etwas gedämpft. Göga kroch gegen Mittag aus dem Bett, er war und ist sehr unglücklich, denn ausgerechnet an diesem Wochenende war eine zweitägige Motorradtour mit Kollegen geplant. Seit Monaten schon stand der Termin, denn bei so komplizierten Dienstplänen trifft man sich nicht „einfach so“, der neue Helm war endlich im Schrank, und nun war’s nix.

Samstag nachmittags tauchte dann noch netter Überraschungsbesuch auf. Karin ist eine sehr coole und gelassene Frau, hat fünf Kinder, einen Job und Nerven wie dreifach gedrillte Drahtseile. Sie meinte nur lässig, die Kranken seien kein Problem, „dann setzen wir uns eben auf die Terrasse“.

Gegen Abend stellten sich bei Mitteltochter die bekannten Beschwerden ein, auch sie hing dann heftig in den Seilen.

Keiner hatte Fieber, alle schwitzen nur – Glück gehabt. Schweinegrippe – hier nicht !

Am heutigen Sonntag ist Göga wieder ganz fit, die Mädchen befinden sich auf dem Wege der Besserung, Junior geht es ebenfalls gut, er trifft sich nachher mit zwei Schulkameraden, weil sie ein Plakat gestalten müssen für die Schule (Gruppenprojekte mit privaten Treffen am Wochenende– ich „liebe“ diese neumodische Pädagogik *grummel*!). Mir geht es etwas gemischt, aber ich nehme in der Regel die ganzen Krankheitswellen in Zeitlupe mit, wenn andere Leute ein bis zwei Tage ganz außer Gefecht sind, dann bin ich immer noch einsatzfähig, schleppe den Mist aber über viele Tage. Nervig, aber nicht schlimm.

Viel nerviger sind übrigens die Partynachbarn, nach wie vor sammeln sich an jedem regenfreien Tag diverse Gäste, grillen, räuchern uns ein (der ganze Zigarettenqualm zieht leider zu uns) und plappern stundenlang ohne Ende. Gerade wird der Grill wieder angeworfen, der ist dann aktiv bis zum späten Abend *seufz*.

Freitag, 18. September 2009

Tschüß, Franzi !


Danke für den Zuspruch auf verschiedenen Wegen. Wir haben die erste Schulwoche überstanden, die Kinder hatten weitgehend Glück beim Lehrerlotto, es ist schwer, aber wir kommen voran.

Leider gab es heute einen Rückschritt.

Heute früh lag unser weißes Kaninchen Franzi tot im Gehege.

Sie war für ein Kaninchen recht alt, hat offensichtlich nicht gelitten, und es war abzusehen, denn in den letzten Wochen sah sie immer gebrechlicher aus, war aber putzmunter.

Zum Glück ist Göga heute daheim, wir haben sie bereits in einen Karton gelegt und fahren dann später auf unser Wochenendgrundstück, wo sie in der Nähe ihres Bruders beerdigt wird.

Den Kindern haben wir es erst nach der Schule gesagt, sie haben es zum Glück mit Fassung aufgenommen.

Mach’s gut, liebe Franzi, du warst ein sehr freundliches und liebes Tierchen !

Dienstag, 15. September 2009

Köstlich !



Dänischer Kuchen ist klasse. Waaaahnsinnig süß, verboten teuer, aber unglaublich lecker. Für diese drei Kleinteile mussten wir umgerechnet ca. 7,30 Euro hinlegen, und zwar keineswegs im Café mit Bedienung, sondern im Ladengeschäft.

Dafür gab es aber eine ganz dicke Schicht Marzipan mit viel Creme und Rührkuchen drunter.

Auch das ist eben Urlaub in Dänemark.

Dänische Mathematik




Gestern war hier der erste Schultag.

Juniors erste Hausaufgabe des 4. Schuljahres passte zu unserem Urlaub. Ist ja ganz nett. Den pädagogischen Nährwert von auf Dänisch formulierten Matheaufgaben erkenne ich zwar nicht, aber ich bin eben nur Laie.

Juniors erstaunliches Fazit: „Mama, die Dänen rechnen genau wie wir!“

Montag, 14. September 2009

Tränen

Hey, du, ja du - du weißt schon....

wir weinen jetzt ein bißchen gemeinsam, und ich weine dann noch ein bißchen für mich alleine und nach innen, aber dann raffen wir uns wieder auf und gehen Schritt für Schritt weiter.

Gemeinsam schaffen wir das, du bist ja nicht allein !

(Kryptisch, ich weiß. Macht euch keine Sorgen, ist halt gerade wieder noch schlechter als es sowieso ist.)

Dienstag, 8. September 2009

Urlaubsnachbarn




So, hier quasi Fast-Live-Blogging aus dem hohen Norden – geschrieben dort, nachträglich veröffentlicht, macht aber nix (also, mir macht es nix *sfg*).

***

Hier in Dänemark, in unserem Ferienhausgebiet, sind die Grundstücke riesig. Man sieht seine Nachbarn zwar, und wenn Kinder sehr laut spielen und/oder mal ein Hund bellt, dann bekommt man es mit, wenn man auf seiner Terrasse sitzt, aber es stört nicht.

Da die Grundstücke nicht eingezäunt oder besonders zugewachsen sind, hat man eine gute Sicht über die Landschaft. Sprich – auch wenn ich mich noch so anstrengte, die beiden Häuser uns gegenüber hatte ich immer wieder im Blick.

In unserer ersten Urlaubswoche wohnte in jedem der zwei Häuser ein Paar mittleren Alters mit Hund. Man traf sich sporadisch beim Hundausführen, ansonsten gab es bei den einen Nachbarn im Haus Nr. 37 nur die Auffälligkeit, dass der Mann eine Woche lang sein beigefarbenes Muskelshirt nicht wechselte – aber vielleicht hat er das ja in mehrfacher Ausführung, und ich muss ihn ja nicht riechen.

Dann kam der Bettenwechsel am Samstag.

Die beiden Häuser gegenüber wurden von einer Clique bezogen – vier Autos, vom Kleinwagen über den Geländewagen für Städter bis zum Bus, mit insgesamt acht Erwachsenen und drei Kindern im Kindergartenalter und einem „Ein-Jack-Russell-hat-auch-mitgemischt-Hund“. Wir „mussten“ leider alles beobachten, von der Terrasse aus hatten wir alles im Blick.

Die Häuser wurden aufgeschlossen, das übliche Ausladen begann. Die drei Frauen hatten ihren eigenen Stil – T-Shirt und Radlerhose in XXXL-Format – aber was soll’s, sie haben Urlaub, wenn es ihnen gefällt…..

Da musste eines der Kinder mal pinkeln. Dürfte kein Problem sein, pro Haus gibt es zwei Toiletten. Aber die Mutter zog dem Kind die Hose runter und es pinkelte direkt in den Garten. Was für ein ansprechendes Benehmen.. . Vermutlich bin ich einfach nur verklemmt, und überhaupt, im Urlaub kann man sich doch auch mal gehen lassen.

Erwähnte ich eigentlich schon, dass die Grundstücke sehr groß sind ? Auch bei den Nachbarn gibt es eine Schaukel, eine Rutsche, einen Sandkasten und ein Fußballtor im Garten. Alle Kinder, die ich kenne, hätten sich sofort darauf gestürzt, diese Kinder standen aber nur seltsam in der Gegend herum und schauten beim Ausladen zu. Macht nichts, als Spezialist für seltsame Kinder dachte ich noch, die sind eben ein bisschen schüchtern und müssen sich nur orientieren.

Kurz darauf aber wurde mir klar, worauf die Kleinen gewartet hatten. Aus dem Bus wurden ihre Spielsachen ausgeladen: ein grellbuntes Rutschfahrzeug, ein Motorrad mit Stützrädern und ein Quad. Ich behaupte, es handelte sich um diese batteriebetriebenen Kinderfahrzeuge, auf denen die Kinder nur debil sitzen und Motorengeräusche machen können, mein Mann ist optimistischer und meinte, das seien sich nur moderne Dreiräder, irgendwo müssen Pedale sein, wer kauft sonst so komische Dinger ?

So oder so – es klappte nicht. Der Rasen war zum Fahren zu uneben, die Wege in den Ferienhausgebieten in Dänemark sind nicht asphaltiert, sondern Schotterpisten, die man sogar mit dem Fahrrad manchmal nur schwer befahren kann. Die Kinder saßen also blöd in der Landschaft und bewegten sich keinen Meter, bis jemand sie von den Fahrzeugen hob und ins Haus holte.

In den nächsten Tagen sahen wir den Hund überhaupt nicht. Nun ja, vielleicht nahmen sie den immer mit zu ihren Ausflügen, kann ja sein, auch wenn ich einen ganz anderen Verdacht hatte. Ich kann echt nichts dafür, aber natürlich beobachtete ich dann irgendwann bei Kaffeeaufsetzen, wie das mit dem Gassigehen funktionierte: Nachbar macht die Tür auf, raucht ‚ne Zigarette, Hund läuft alleine durch’s Ferienhausgebiet, in dem die meisten Leute noch schlafen, und kackt in irgend einen Garten. Zigarette aus, Hund hereingerufen, Gassigehen abgehakt. Wie die Kinder, so der Hund… oder so….

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Das mit dem Grill………reiche ich nach, ich muss wieder was tun.

Montag, 7. September 2009

Wieder da



Wir sind wieder da. Schön war's !
Der Alltag hat uns dann aber sofort wieder gefordert, obwohl hier wenigstens noch Ferien sind, also eine gewisse Gnadenfrist vor dem Fahrdienste- und Stundenplanchaos (wobei wir immerhin schon darüber informiert wurden, dass an drei Tagen in der nächsten Woche bei Junior Sonderaktionen anstehen - ich liebe es....).

Hier nur ein Bild zur Übersicht, weiterer Content folgt nach und nach - ich habe sogar auf Vorrat geschrieben, schließlich hatte ich ein Thema direkt vor der Nase *kicher*.