Die Putzfrauensuche hat uns lange beschäftigt, weit über die Putzerei an sich.
Ich hatte eine Kleinanzeige aufgegeben für Kunden – alle zwei Wochen soll ein Treppenhaus und ein bisschen Kleinkram im Haus geputzt werden. Es war eigentlich klar, dass es sich um eine klitzekleine Tätigkeit handelt.
Mittwochs ist die Anzeige erschienen.
Dienstags klingelte schon abends das Telefon mit der ersten Bewerberin. Und dann Mittwochs ab acht Uhr, zeitweise im Minutentakt, bis in die frühen Abendstunden. Dito noch am Donnerstag, dann erst wurde es weniger, aber selbst heute, fast eine Woche nach dem Erscheinen der Anzeige, rief noch jemand an. Es war der helle Wahnsinn.
Das Dauerklingeln – Büro und daheim sind parallel geschaltet – nervte irgendwann sehr. Vor allem aber wurde ich immer ratloser, wem ich denn die Stelle geben sollte.
Ungefähr ein Drittel der Anrufer schied gleich aus. Teilweise wollten die Leute nur schwarz arbeiten, was ich auf keinen Fall dulden kann, weil die Eigentümergemeinschaft und ich als Verwalter in Schwierigkeiten kämen. Muss nicht sein, und bei einem so kleinen Minijob kann man die Nebenkosten nun wirklich vernachlässigen. Der bürokratische Aufwand dagegen ist extrem, aber das ist ein anderes Thema.
Ein anderer Teil des ganz schlechten Drittels war nicht in der Lage, sich auch nur ansatzweise verständlich zu machen. Natürlich muss man für einen Putzjob nicht unbedingt fließend deutsch sprechen können, aber wenn die Kommunikation fast unmöglich ist, dann reicht die Qualifikation nicht einmal zum Putzen. Und ich empfehle dringend einen Deutschkurs, ich verstehe einfach nicht, warum man hier leben will, aber fast null Sprachkenntnisse hat und auch kein Interesse an der Erlangung selbiger.
Ein Drittel der Anrufer war ganz nett, wohnte aber zu weit weg, wollte dann doch mehr Stunden arbeiten, obwohl die Anzeige eigentlich eindeutig war, oder rief schlicht zu spät an. Wenn Mittwochs eine Anzeige erscheint, dann ist so ein Job am Donnerstag ganz sicher schon vergeben.
Ein Drittel der Anrufer war wahnsinnig engagiert und wollte den Job unbedingt. Selbst als ich sagte, es ginge nicht, wurde mit mir diskutiert, ob ich nicht doch eine Chance geben könnte, man würde auch ganz sicher supertoll putzen. Die Verzweiflung war unüberhörbar, und mein Bedauern sehr groß, dass ich wirklich nur einer einzigen Person diese klitzekleine Stelle geben kann.
Ich hatte den Eindruck, dass die Anrufer aus allen „Schichten“ und aus allen Altersklassen kamen. Vor einigen Jahren haben sich auf eine solche Anzeige überwiegend Hausfrauen mit kleinen Kindern und Frauen mit niedrigster oder gar keiner beruflichen Qualifikation gemeldet. Diesmal waren einige dabei, die ganz sicher mehr auf dem Kasten haben als „nur“ zu putzen. „Nur“ in fetten Anführungszeichen, eine gute Putzfrau ist Gold wert, und im übrigen finde ich, dass es hoch anzurechnen ist, wenn jemand, für den es gerade keine andere Einnahmequelle gibt, putzen geht, anstatt auf der Couch zu sitzen und zu jammern.
Erschreckend, sehr erschreckend. Meine Kinder bekamen teilweise die Gespräche mit und waren ebenso betroffen über diese große Not. Wirtschaftskrise live.
Zu schwerer Lesetobak?
Vor 10 Minuten

2 Kommentare:
Dazu fällt mir wirklich überhaupt nichts ein, ich finde diese Verzweiflung auch erschreckend!!
So long,
Corinna
Ich stecke mitten in dieser Verzweiflung... ich kann die Frauen gut verstehen. Mir geht es auch oft so, daß ich für einen Job erst am Donnerstag anrufen kann - denn meine Mutter z.B. bekommt Ihren Kurier bereits morgens gegn 9 Uhr, ich dagegen, etwa 5 Straßen weiter, kriege den mittlerweile Mittwoch abend nach 8 Uhr!! Da kann ich bei keiner Stelle mehr anrufen. MICH trifft dabei aber keine Schuld - nur ich hab dann halt das Nachsehen. Sei es bei Stellenangeboten oder bei der Rubrik "zu verschenken"
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